In Vino Veritas – Viticulture [Rezension]

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Wer wollte nicht schon einmal Winzer in der Toscana sein? Gut, vielleicht ist das nicht der Lebenstraum allzu vieler Menschen, aber Viticulture erlaubt es uns, zumindest doch einmal reinzuschnuppern, wie das Leben als Weinbauer so ist.

Datenblatt zum Brettspiel Viticulture

Verlag: Feuerland
Anzahl Spieler: 1 – 6 Spieler
Empfohlenes Alter: ab 12 Jahren
Herausforderungen: Workerplacement, Vorausplanen
Vergleichbar mit: Village, Caylus

Inventur im Weinkeller: Inhalt

Die Box enthält neben der Spielanleitung und der Kurzübersicht den großen Spielplan. Dazu gibt es 154 Karten,  18 Weinberge, 36 Mama- und Papakarten, 24 Automa-Karten zum Solospiel sowie für jeden Spieler ein eigenes Weingut-Tableau.

Da es sich bei Viticulture um ein Workerplacement-Spiel handelt, dürfen die 31 Arbeiter und 6 Vorarbeiter nicht fehlen. Darüber hinaus enthält Viticulture 18 weitere Figuren, 48 Bauwerke, 72 Geld- und 50 Glasmarker für den Wein und eine Startspielerfigur.

Der lange Weg von der Traube zum Tropfen

Jeder Spieler beginnt Viticulture von Feuerland mit einer Papa- und einer Mamakarte. Zusammen zeigen diese Karten die Startvoraussetzungen an. Manche geben ein größeres Startvermögen, andere lassen den Spieler bereits mit Karten in das Spiel starten oder bescheren einen zusätzlichen Arbeiter. Ein Tableau stellt das eigene Weingut dar. Dort sehen wir die Weinberge, die Maischetröge, den Weinkeller und auch Felder für diverse Zusatzgebäude, die uns das Leben als Winzer versüßen.

Das große Spielfeld präsentiert uns die verschiedenen Aktionsfelder. Diese sind aufgeteilt in Sommer und Winter.

Eine Spielrunde besteht aus allen vier Jahreszeiten. Im Frühling wird einfach die Zugreihenfolge für diese Spielrunde festgelegt, Wer früher an der Reihe ist hat gute Chancen, die Boni auf den Aktionsfeldern abzugreifen, aber auch wer sich auf die späteren Plätze stellt kann gezielt bestimmte Vorteile erlangen.

Nun folgt der Sommer. In der zuvor festgelegten Reihenfolge setzen die Spieler ihre Arbeiter auf die Aktionsfelder und führen diese direkt aus. Der erste Spieler, der eine bestimmte Aktion durchführt, erhält wie erwähnt einen Bonus. Wer zu lange wartet guckt in die Röhre, denn alle Aktionen haben nur Platz für eine bestimmte Anzahl an Arbeitern. Diese Phase geht so lange, bis alle Spieler gepasst haben.

Im Herbst zieht jeder Spieler einfach eine Sommer- oder Winterkarte.

Der Winter funktioniert exakt wie der Sommer. Allerdings sind die zur Verfügung stehenden Aktionen völlig andere und es dürfen nur noch die Arbeiter gesetzt werden, die nicht im Sommer schon verwendet wurden.

Nachdem alle Arbeiter gesetzt sind startet eine neue Runde mit dem Frühling.

Der Weg zum perfekten Wein

Anders als bei den meisten Spielen ist das Ausspielen von Karten in Viticulture sehr beschränkt. So muss man nicht nur auf den richtigen Augenblick warten, um eine Karte sinnvoll einsetzen zu können. Stattdessen müssen alle Karten mittels einer Aktion ausgespielt werden.

Karten der Sommer- und Winterbesucher stellen besondere Aktionen in der jeweiligen Jahreszeit dar. Diese sind ungemein vielseitig und erlauben manchmal sogar die Wahl zwischen mehreren Möglichkeiten. Diese passen nicht immer zur angepeilten Strategie und sind oftmals »tote« Karten auf der Hand, aber wie immer gilt es, das Beste aus seinen Möglichkeiten zu machen.

Aber was ist nun mit dem Wein?

Im Sommer pflanzt man mittels der grünen Rebenkarten seine Pflänzchen an. Diese sind entweder weiß oder rot, haben eine bestimmte Qualität und eventuell auch Voraussetzungen an Zusatzgebäuden. Jedes der drei Weinfelder darf nur Reben bis zu einem bestimmten Gesamtwert tragen. Da pro Aktion immer ganze Weinfelder geerntet werden sollte man versuchen, diese möglichst auszulasten.

Bei der Ernte erhält man zunächst eine »Traube« in seine Bottiche, und zwar jeweils eine weiße und eine rote im Wert der Summe der jeweiligen Trauben auf dem Weinfeld. Mit einer weiteren Aktion kann man die Traube abfüllen und in den Keller einlagern. Dies ist auch anzuraten, denn von jedem Traubenwert beider Varianten darf nur eine gleichzeitig im Bottich sein. Besitzt man bereits eine weiße 5 und würde eine weitere ernten, so erhält man eben nur eine 4.

Sowohl Trauben als auch Weine reifen und steigen am Ende jedes Jahres um 1 im Wert. Mit seinen Weinen erfüllt man lila Auftragskarten. Diese benötigen immer einen gewissen Mindestwert an Weiß- oder Rotwein, Rosé oder gar Sekt. Erfüllte Aufträge erhöhen zum Einen das ründliche Einkommen, zum Anderen sind sie es, die die meisten Punkte geben. Doch auch andere Strategien, die den Wein zur Nebensache erklären, sind möglich.

Das Spiel endet nach dem Jahr, in dem ein Spieler 20 Punkte erreicht hat.

Fazit zu Viticulture

Das Brettspiel Viticulture ist ein feines Spiel, das allerdings die hartgesottenen Strategen nicht zufriedenstellt. Zu groß ist der Einfluss der zufällig erhaltenen Karten. Eine Hand voller Weinreben, die keine Bauwerke benötigen oder ein Startbauwerk kombiniert mit den dazu passenden Reben kann einen mächtigen Start bescheren. Diverse Besucherkarten bringen sehr starke Vorteile, während andere das halbe Spiel über nutzlos auf der Hand liegen. Wer die falschen Aufträge zieht, ohne dazu passende Reben zu bekommen, guckt doof aus der Wäsche und ist fast gezwungen, eine andere Strategie als den Weinanbau zu verfolgen.

Das Spiel macht dennoch Spaß. Es geht darum, das Beste aus dem zu machen, was man bekommt. Und wenn einem das Leben Zitronen gibt, dann macht man eben keinen Wein, sondern funktioniert das Weingut per Besucherkarten zum Tourismusmagneten um.

Die Einteilung in Sommer und Winter ist eine pfiffige Idee. Bei der Menge an Handlungsmöglichkeiten bringt dies ein wenig Ordnung und Struktur ins Spiel und man braucht sich beim Weinanbau nicht zu sorgen, dass man dadurch bei den Winteraktionen zu spät an die Reihe kommt.

Gerade weil das Spiel so wenig vorhersehbare Optimierung erlaubt ist es für eher lockere Spielrunden geeignet, die sich nicht bei jedem Zug das Hirn zermartern wollen. Dazu sei allerdings gesagt, dass gerade der letzte Zug dennoch die Möglichkeit dazu bietet.

Feuerland Spiele 07 - Viticulture Essential Edition
  • Sprache: Deutsch
  • Spieldauer: 45-120 min.
  • Spielzeug
  • Feuerland Spiele

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