Mein kleines Jobcenter – Villagers [Kickstarter]

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Das Wichtigste in Kürze

Villagers ist ein Kickstarter-Brettspiel, das umgerechnet 556.000,00 € zusammengetragen hat, um verwirklicht zu werden. Ein bis fünf Spielerinnen und Spieler sollen so viel Gold wie möglich produzieren, um Villagers zu gewinnen.

  • Eine simple Spielmechanik kombiniert mit richtungsweisenden, ausgefuchsten Karten erwarten dich
  • 30 – 60 Minuten zum Drauflosspielen
  • Das Spiel selbst kostet umgerechnet etwa 26 Euro.

Bei all den Mammutprojekten vergisst man leicht, auch die kleinen Brett- und Kartenspiele zu würdigen. Nicht jedes gute Spiel benötigt eine Box, die mit Inhalt 2,5 Kilogramm wiegt. Mit einem simplen Konzept und geradlinigem Artwork kommt das Aufbaukartenspiel »Villagers« daher.

Datenblatt zum Kickstarter Villagers

Verlag: Sinister Fish Games
Anzahl Spieler: 1 – 5 Spieler
Empfohlenes Alter: ab 10 Jahren
Herausforderungen: Aufbau, Improvisation, Überblick
Vergleichbar mit: 7 Wonders, Machi Koro, Zug um Zug

Ein Blick auf das Material

Wie es sich für ein astreines Kartenspiel gehört findet sich in der Box wenig mehr als die Spielkarten. Diese zeigen in erster Linie diverse Berufe wie Holzfäller, Minenarbeiter, Heumacher oder Wagner. Ganze 55 verschiedene Berufe finden sich hier, doch steht bei 131 Karten insgesamt für jeden Beruf nur eine sehr begrenzte Anzahl an Exemplaren bereit. Hier ist bereits abzusehen, dass es Karten geben wird, die hart umkämpft sind und bei denen das Glück entscheidet, wer sie letztendlich bekommt.

Die Stanzbogenliebhaber unter uns kommen in den Genuss, ebenso über hundert Geldstücke aus den Pappbögen drücken zu dürfen. Dazu kommen diverse kleinen Spielhilfen und Materialien, ebenfalls auf Karten gedruckt.

Die Bilder auf den Karten sind simpel und minimalistisch. Die glubschäugigen Vektorgrafiken auf weißem Hintergrund sorgen aber für einen hohen Wiedererkennungswert der einzelnen Karten, so dass man nach ein paar Partien auf den ersten Blick weiß, was man da vor sich liegen hat.

Das Spiel

Villagers bedient sich des Drafting-Konzepts, doch mit leichten Abwandlungen. Üblicherweise werden kleine Gruppen von Karten herumgereicht, aus denen sich jeder Spieler jeweils eine Karte aussucht, bevor er den Stapel weitergibt. In Villagers jedoch liegen die Karten aus und man bedient sich reihum an den offenen oder verdeckten Karten. Damit erinnert das Kartensystem stark an Zug um Zug.

Es geht darum, zu zwei bestimmten Zeitpunkten möglichst viel Gold zu produzieren. Dies funktioniert am besten durch Produktionsketten: Ein Holzfäller erlaubt es, einen Radmacher zu platzieren, der wiederum einen Wagner ermöglicht. Manche Karten erfordern zusätzliche Berufe, doch diese Voraussetzung kann man durch die Zahlung von Gold umgehen. Hierbei lohnt es sich, wenn man die Berufe anbieten kann, die bei der Konkurrenz benötigt werden, denn dann landet das ausgegebene Gold im eigenen Säckel.

Die Spielregeln erscheinen simpel und eingängig. Was dem Spiel Tiefgang gibt sind die Effekte der einzelnen Karten. Manche Berufe spielen besser miteinander als andere und die richtige Kombination der verschiedenen Möglichkeiten bietet dem Vielspieler ausreichend Herausforderung.

Zu erwähnen sei noch er Solitärmodus, bei dem man alleine gegen das Spiel agiert und versucht, die Punktzahl der bösen Gräfin zu übertreffen.

Die Kampagne

Sinister Fish Games ist das Kind von Dave Clarke. Nach zwei offiziellen Supplements für den wahrhaft epischen Dungeoncrawler Gloomhaven ist Villagers das erste eigene Projekt des Verlags.

15.351 Menschen haben insgesamt 482.171 Britische Pfund (umgerechnet ca. 566.000 Euro) in den Kickstarter investiert und damit alle Stretch Goals freigeschaltet. Einige davon sind kleine Erweiterungen für das Spiel, die exklusiv den Backern zur Verfügung stehen. Viele sind allerdings auch Upgrades für das eigentliche Spiel. Mehr Artwork oder besseres Material, wie zum Beispiel ein edles Leinenfinish für die Karten statt glatter Beschichtung. Das ist nicht nur etwas fürs Auge, sondern erhöht gleichzeitig auch die Lebenserwartung des Spielmaterials.

Für Sammler und Komplettisten ist es natürlich erst einmal ärgerlich, dass einige der Stretch Goals nur exklusiv für die Unterstützer der Kampagne verfügbar sind. Jedoch sollte man dafür auch Verständnis aufbringen, da solche exklusiven Inhalte auch dafür sorgen, dass solche Projekte eben die Unterstützung erhalten, die sie brauchen, und sich nicht jeder darauf verlässt, dass andere das Spiel finanzieren und er dann später noch zugreifen kann. Einen gewissen Anreiz braucht es schließlich, damit man als zahlender Kunde sein Geld bereits vorher in den großen Topf wirft.

Andererseits kann man bei auch nach dem Kickstarter erfolgreichen Spielen damit rechnen oder zumindest darauf hoffen, dass die Kickstarter-exklusiven Materialien irgendwann als separate Erweiterung erscheinen. Somit müssen auch Späteinsteiger oftmals nicht auf das volle Erlebnis verzichten!

Die Stufen

Bei den verschiedenen Finanzierungsstufen ist »Villagers« eher konservativ geblieben. Zur Auswahl gab es lediglich das Spiel sowie die hauseigen produzierten Goldstücke in Form von Holzchips in verschiedenen Mengen. Das Spiel selbst bekam man ab 22 Britischen Pfund, für 42 Pfund gab es sogar gleich zwei Exemplare. Wer nur Interesse an den universell verwendbaren Holzmünzen hatte war mit 12 Pfund dabei. Im Shop bekommt man diese immer noch für immerhin 15 Pfund, also ca. 18 Euro.

Die beliebte Personalisierungsoption, bei der man sich selbst im Spiel verewigen kann, ist diesmal bewusst verlagert worden: Statt einer separaten Belohnungsstufe wurden einige der Unterstützer ausgelost, deren Konterfei man auf den Gründer-Berufskarten im Spiel wiederfinden können wird. Sicherlich eine spannendere Methode, als diese Plätze einfach nur zum Kauf anzubieten.

Fazit

Villagers ist ein einfaches und kurzes Spiel für eine sehr flexible Spielerzahl. Die angegebene Spieldauer von 30-60 Minuten kann von richtig harten Grüblern natürlich problemlos getoppt werden, aber das Spiel lädt durch seine Einfachheit auch zum »Drauflosspielen« ein. Der Eindruck ist solide und es ist kein Wunder, dass der Kickstarter derart abgehoben hat. Gerade in diesen Zeiten, in denen mehr und mehr Mammutspiele von zwei Stunden Spieldauer und mehr auf uns einströmen ist es nett, auch mal ein neues Spiel zu sehen, das sich in die Mittagspause quetschen lässt.

Aktuell läuft noch die Vorbestellungsphase und das Spiel dürfte im dritten Quartal 2019 in den regulären Handel gehen. Für 27 Britische Pfund, ungerechnet ca. 32 Euro dürfen wir uns auf »Villagers« freuen, bestimmt auch bald auf deutsch.

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