Ins Dunkel – Vast: The Crystal Caverns [Rezension]

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Mit einem ganz besonderen Vertreter der Dungeoncrawler haben wir es bei Vast: The Crystal Caverns zu tun. Asymmetrische Spiele sind ja nichts neues, vor allem bei den Monsterklopfern und Tunnelkriechern. Dass es allerdings nicht nur zwei Seiten (Monster und Helden) gibt, sondern gleich ganze fünf bzw. mit Erweiterung acht, das ist uns dann doch einen genaueren Blick wert.

 

Datenblatt zum Brettspiel
Vast: The Crystal Caverns

Verlag: Leder Games
Anzahl Spieler: 1 – 5 Spieler
Empfohlenes Alter: ab 10 Jahren
Herausforderungen: Taktik, Überblick
Vergleichbar mit: Saboteur, Dungeoneer

 

Was bringt Vast: The Crystal Caverns mit?

Vast: The Crystal Caverns kommt in einer satten 1,9kg schweren Box daher. Fünf Spielbretter, 52 Höhlenplättchen und unzählige Karten und Marker lassen ahnen, dass mal wieder ein Besuch beim Baumarkt bevorsteht. Wie sonst soll man die ganzen Kleinteile sortiert halten? Untypisch für einen Dungeoncrawler hält sich das Spiel mit Miniaturen zurück. Denn es geht hier nicht ums epische Monstermetzeln, sondern um ein Spiel jeder gegen jeden!

 

Kampf der fünf Parteien

Jeder Spieler übernimmt eine der fünf Rollen in Vast: The Crystal Caverns. Ritter, Goblins, Drache, Dieb oder Höhle(!). Dabei spielt sich jede Rolle komplett anders und bringt ihre eigenen Regeln mit.

 

Der Ritter:

Er will den Drachen töten. Hierzu versucht er, möglichst viel „Grit“ zu bekommen, um mehr von seinen Klötzchen freizuschalten, mit denen er seine Eigenschaften erhöhen und Sonderausrüstung verwenden kann. Um den Drachen zu attackieren stehen ihm Bomben zur Verfügung, doch sollte er sich vor den Goblins in Acht nehmen!

Die Goblins:

Sie wollen den Ritter töten. Sie lauern im Dunkeln, sammeln sich und schlagen dann zu, nur um wieder zu verschwinden. Wenn sie den Ritter auf null Lebenspunkte gebracht haben, ehe das Spiel anderweitig endet, gewinnen sie. Nebenbei dienen sie als Futter für den Drachen.

Der Drache:

Er will seine Müdigkeit abschütteln und aus der Höhle entkommen. Dazu muss er eine Anzahl an Klötzchen von de Müdigkeitsleiste auf die Wachleiste verschieben. Hier gibt es verschiedene Kategorien: Gier, Hunger und so weiter. Seine Gier befriedigt er, indem er Schätze einsammelt, und gegen den Hunger snackt man am besten ein paar Goblins. Je wacher er wird, um so mehr Karten zieht er jede Runde, mit denen er seine Sonderfertigkeiten bezahlen kann. Angriffe anderer Spieler lassen ihn jedoch wieder schläfrig und faul werden. Sobald er komplett aufgewacht ist muss er nur noch zum Ausgang der Höhle kommen und hat gewonnen.

Der Dieb:

Er will Schätze einsammeln und mit ihnen aus der Höhle entkommen. Schafft er es, sich eine bestimmte Anzahl an Schätzen zu sichern, gewinnt er. Jeder Schatz lässt ihn dabei stärker werden, aber trotzdem ist er eher anfällig und kann leicht getötet werden. Macht aber nichts: Durch einen Fluch ist er unsterblich und kommt immer wieder. Das einzige, das ihm den Garaus machen kann, wäre eine einstürzende Höhle.

Die Höhle:

Sie will einstürzen, bevor einer der anderen Spieler sein Ziel erreicht. Zuerst muss der Stapel mit den Höhlenplättchen leer werden und die Höhle somit komplett aufgebaut sein, dann kann der Einsturz beginnen. Der Aufbau beschleunigt sich, wenn mehr Schätze und Kristalle herumliegen, doch ermöglicht das auch den anderen Spielern einen schnelleren Fortschritt. Der Spieler der Höhle will den Sieg der anderen Spieler so weit wie möglich hinauszögern und sie behindern.

 

Mechaniken und Balance in Vast: The Crystal Caverns

Die Spielidee ist wirklich originell und alleine schon die Idee, dass die Höhle selbst auch von einem Spieler verkörpert wird, ist einen Preis wert. Bei so vielen verschiedenen Mechaniken im Spiel ist es allerdings kein Wunder, wenn die Spielbalance nicht immer stimmt und auch nicht jede Rolle gleich viel Spaß macht. Man kann das Spiel zwar mit weniger als der vollen Besetzung von fünf Spielern spielen, doch sollten Ritter, Goblins und Drache immer dabei sein. Diese drei Rollen stellen sozusagen den Kern des Spiels dar. Es liegen jedoch Regeln für das Auslassen jeder einzelnen Rolle bei sowie Handicapkarten, die eingesetzt werden können, um eine zugrundeliegende Balanceschwäche oder auch Spielerfahrung auszugleichen und das Spiel interessant zu halten. Von allen Rollen ist die Höhle wahrscheinlich noch am ehesten auszulassen, da ihre Rolle am ehesten passiv ist und man eigentlich wenig zu tun hat außer den anderen Spielern Steine in den Weg zu legen.

 

Was kommt noch?

Es existieren mehrere Erweiterungen für Vast: The Crystal Caverns, unter anderem drei weitere Rollen (Ghul, Geist und Einhorn) und eine andere Box mit richtigen Miniaturen statt den Pappaufstellern. Gerade die neuen Rollen sollten frischen Wind in das Spiel bringen und für Abwechslung sorgen.

Statt der Kristallhöhlen kann man im verwandten Spiel „Vast: Mysterious Manor“ auch ein Spukhaus erkunden, dann natürlich mit anderen Rollen. Das Spielkonzept bleibt das gleiche.

 

Fazit

Die Idee von Vast: The Crystal Caverns ist originell und funktioniert. Das Regelwerk ist natürlich eine ordentliche Hausnummer, die Regeln pro Rolle sind allerdings recht überschaubar. Das Spiel ist anscheinend für eine feste Spielrunde konzipiert, die nach und nach die Feinheiten und Möglichkeiten des Systems kennenlernt. Dennoch ist das Integrieren frischer Spieler dank Handicaps kein Problem. Für ein schnelles auspacken und sofort losspielen ist Vast: The Crystal Caverns aufgrund seiner Komplexität jedoch beileibe nicht geeignet. Man muss schon ein paar Partien hinter sich bringen, um allmählich dahinter zu steigen, wie man am besten sein Ziel erreicht und nicht ständig vom Drachen gefressen, ausgeraubt, eingeschläfert oder von Goblins niedergeknüppelt wird, während einem die Höhlendecke auf den Kopf fällt. Und hat man eine Rolle gemeistert kann man gleich zur nächsten Wechseln oder in Zukunft mit einer Handicapkarte spielen. Dieses Spiel ist nach zwei oder drei Partien noch lange nicht gegessen!

 

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