Aufbauen und überliefern – The Sands of Time [Rezension]

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The Sands of Time hat eine so schöne, ruhige und unkomplexe Gestaltung der Spielebox! Ich habe mich auf ein simples Spiel ab 12 Jahren gefreut. Aber eins darf ich vorweg nehmen: The Sands of Time hat es faustdick hinter den Ohren. Ein Expertenspiel von gigantischem Ausmaß verbirgt sich in der unscheinbaren Spielschachtel. In dieser Rezension möchte ich die Spielregeln von The Sands of Time im Groben erklären und anschließend das Spiel rezensieren.

Datenblatt zum Brettspiel The Sands of Time

Verlag: Spielworxx
Anzahl Spieler: 2 – 5 Spieler
Empfohlenes Alter: ab 12 Jahren
Herausforderungen: Viele Variablen bedenken, Reich aufbauen, Gegner in Schacht halten, Grenzen und Limits beachten, Balance finden
Vergleichbar mit: Die Siedler von Catan, Risiko, Caverna

 

Das Spielprinzip von The Sands of Time

Im Brettspiel The Sands of Time bauen die Spieler eine Zivilisation auf. Eine Partie dauert locker zweieinhalb Stunden. Das ist aber nicht der einzige Punkt, an dem der Faktor Zeit eine Rolle spielt. Die Zivilisation, die ihr in The Sands of Time aufbaut, muss überliefert werden. Damit das klappt, müssen ein paar besondere Spielmechanismen berücksichtigt werden.

 

Der Spielaufbau von The Sands of Time

The Sands of Time von Spielworxx besteht aus einem großen Spielplan, der auf einem antiken Weltbild basiert. Die Weltkarte besteht beispielsweise aus Graecia, Italia, Lybien, Ägypten, Hispania, Germania, Armenia, Asia Minor und so weiter. Verbunden sind einige Länder wie bei Risiko mit Seestraßen. Je nach dem, wie viele Spieler an einer Partie teilnehmen, werden einige Länder nicht bespielt. Die helle Mitte der Länder wird im Zweipersonenspiel bespielt. Andere Ländergruppen anderer Farben kommen nur hinzu, wenn mehr Spieler an der Partie teilnehmen.

Außen um das Feld herum befindet sich eine Punkteleiste. Im Halbkreis unter der Weltkarte befindet sich der Rundenzähler, der „Dynastieleiste“ genannt wird. Gespielt wird The Sands of Time in drei Dynastien.

Dazu gibt es neben dem Hauptspielplan auch noch das große Chronik-Tableau, das das Wertungstableau in The Sands of Time darstellt. Darüber legt ihr die verschiedenen Gebäude, die errichtet werden können in Form von Karten. Das Chronik-Tableau zeigt die Fortschritte im Bürgertum, in der Politik und in der Kultur. Fortschritte zeigen nicht nur, wie weit Spieler sind, sondern bringen auch Vorteile bzw. Belohnungen im Spiel.

 

Aufbau des Hauptspielplans

In jedem Land gibt es unterschiedliche Ressourcen und Kapazitäten. Entsprechende Marker zeigen an, wie viel Geld oder Nahrung eine Provinz produzieren kann. Nahrungsmarker sind grün, Goldmarker sind gelb. Jedes Gebiet erhält zu Beginn des Spiels einen solchen Marker.

Reihum platziert jeder Spieler drei seiner Provinzplättchen in aneinander grenzenden Gebieten. Die Provinzplättchen sind mit P / P markiert. Auf der Rückseite dieses Markers steht C / K für die späteren Kolonien.

Zu Beginn des Spiels darf sich jeder Spieler eine seiner Provinzen aussuchen und zur Hauptstadt machen. Dafür wird der Provinzmarker gegen ein Haus in Spielerfarbe ausgetauscht. Außerdem gibt es Soldaten und Bauern.

Mit Karawanen kannst du Städte mit einer Provinz verbinden. Jeder Spieler beginnt mit folgenden Startkonditionen:

  • Drei Provinzen unter der Kontrolle
  • Eine davon als Hauptstadt markiert
  • Einen Soldaten und zwei Bauern in jedem Gebiet
  • Eine Karawane von der Hauptstadt in eine angrenzende, eigene Provinz

Jeder Spieler hat auf seiner Seite einen persönlichen Vorrat an Karawanen, Bauern, Kolonie- und Provinzplättchen und Soldaten, sowie einen Abacus für die eigenen Ressourcen.

 

Wie spielt man The Sands of Time?

Zu Beginn einer Runde erhält jeder Spieler Ressourcen. Für jedes Land, das in seinem Hoheitsgebiet liegt, erhält der Spieler pro Bauer Nahrung oder Gold bis hin zur im Land markierten Grenze. Zwei Bauern bringen also zu Beginn des Spiels zwei Gold oder zwei Nahrungseinheiten.

Jeder Spieler hat drei Sorten von Karten auf der Hand.

Für den aktiven Spielverlauf wichtig sind die Aktions- und die Schwerpunktkarten. Pro Generation (Spielrunde) darfst du nur eine Schwerpunktkarte auswählen. Die Schwerpunkte lauten:

  • Bürgertum
  • Politik
  • Kultur

Die Aktionskarten zeigen, was beim Ausspielen der Karte passiert und enthalten Boni, die sich auf das Spiel auswirken, wenn du einen bestimmten Schwerpunkt gewählt hast oder einen bestimmten Fortschrittslevel erreicht hast.

Unter den Aktionen gibt es folgende Möglichkeiten:

  • Chronikkarte auswählen und auf dem Wertungstableau ablegen
  • Musterung: Ein Gold zahlen und einen Soldaten hinzufügen
  • Erobern: Durch Angriff oder Annektierung einen Gegenspieler angreifen und sein Reich vergrößern
  • Überfall: Soldaten in benachbarte Regionen schicken und Ressourcen plündern
  • Bauen
  • Regieren: Unruhewerte reduzieren und Nahrung dafür bezahlen
  • Fortschritt: Fortschrittsmarker voranschreiten lassen
  • Karawane platzieren, zwei Gold oder Nahrung bezahlen
  • Übersiedeln: Bauern und Soldaten ziehen in benachbarte Gebiete
  • Tribut fordern
  • Bonusaktionen (Unterdrückung, Unterstützung, Steuern)

The Sands of Time enthält hier einen klassischen Spielablauf. Nachdem die Spieler ihre Ressourcen erhalten haben und Spielzüge durchgeführt haben, ist eine Generation zu Ende. Jetzt wird überprüft, ob das Bevölkerungswachstum ausreicht, ob s Überbevölkerung gibt und ob die Dynastie zu Ende ist. Jetzt werden Chronikkarten gewertet und eine neue Generation vorbereitet.

 

Weitere Spielvariablen

Jetzt sollte klar sein, wieso The Sands of Time furchtbar komplex und zu kompliziert zum Zusammenfassen ist. Das war aber noch nicht alles: Die Überlieferungsskala auf dem Wertungsplan beeinflusst den Spielverlauf und ist ähnlich wie Einflusspunkte des Spielers. Diese Skala baut sich zwar bei einem erfolgreichen Spiel auf, wird aber durch die Chronikkarten massiv beeinflusst. Hier entsteht ein kleines Poker-Element in The Sands of Time: Die Spieler hoffen, die Anforderungen der Karten erfüllen zu können, aber das Spiel kann sehr schnell anders verlaufen als geplant.

Dazu kommt, dass es Unzufriedenheit im Volk gibt. Auch hierfür gibt es eine Skala, die steigt, wenn der Spieler Bonusaktionen verwendet, Aktionskarten in derselben Generation häufiger ausspielt oder wenn es beispielsweise Überbevölkerung gibt. Der Unruhewert bestraft den Spieler ab einem Wert von 7: Das kostet bare Siegpunkte!

 

Sands of Time gewinnen

Das Spiel ist nach der dritten Dynastie beendet. Gewonnen hat, wer die meisten Siegpunkte hat.

Siegpunkte gibt es einerseits für Chronikkarten und im Verlauf des Spiels, aber auch für die meisten kontrollierten Gebiete, den geringsten Unruhewert und für gewisse Bauwerke.

 

Fazit

Das Brettspiel The Sands of Time ist echt komplex. Es hat etwas von Risiko, und ein bisschen was von „Die Siedler von Catan“. Ich erkenne auch ein bisschen Poker, ein bisschen Caverna und ein bisschen Terraforming Mars in diesem Spiel wieder. Natürlich nur, was die Spielmechaniken angeht, denn thematisch ist Sands of Time ein in sich geschlossenes Werk über die Antike.

Das Spiel ist mindestens so spannend wie anstrengend. Ich habe das Gefühl, dass das Spiel mehr sein will als es ist und bin, sagen wir mal… angemessen überfordert. Ein Spiel für Kennerspiel-Liebhaber, für Experten und diejenigen, die herausgefordert werden müssen. Für mich war The Sands of Time leider zu komplex, zum Rezensieren wie auch zum Spielen.

 

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