Zählen schwer gemacht – The Game Kartenspiel [Rezension]

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Das The Game Kartenspiel ist ein ebenso einfaches wie knackiges Kooperationsspiel. Doch auch als Einzelspielervariante bringt es die Hirnzellen zum Qualmen.

Datenblatt zum Kartenspiel The Game

Verlag: Nürnberger Spielkarten-Verlag
Anzahl Spieler: 1 – 5 Spieler
Empfohlenes Alter: ab 8 Jahren
Herausforderungen: Kooperation, Kommunikation
Vergleichbar mit: Solitär, Hornochsen

Was ist drin im The Game Kartenspiel?

Der Inhalt der kleinen Packung ist ebenso minimalistisch wie das Spielprinzip. Mehr als einen Stapel mit 102 Karten benötigt man nicht und so ist auch nur dieser plus der Spielanleitung enthalten. Die Karten sind düster in Rot, Schwarz und Weiß gehalten und erinnern optisch an ein Horrorspiel. Doch keine Sorge, so gruselig wie es den Anschein macht geht es bei The Game nicht zu.

Von 1 auf 100

Bei The Game geht es darum, den Kartenstapel aufzubrauchen und seine Hand zu leeren. Alle Spieler arbeiten gemeinsam daran, dieses Ziel zu erreichen und nicht immer gelingt es. Zu Beginn des Spiels liegen vier Karten aus: Zweimal die 1 mit einem Pfeil nach oben und zweimal die 100 mit einem Pfeil nach unten. Der Kartenstapel enthält die Zahlenwerte 2 bis 99. Man kann es sich schon denken: Hier muss man hoch- beziehungsweise herunterzählen.

Von den sechs Handkarten muss jeder Spieler wenn er an der Reihe ist mindestens zwei ausspielen und an einen der vier Stapel anlegen. Dabei darf man auch Lücken lassen, doch es darf je nach Stapel entweder nur hochgezählt oder nur heruntergezählt werden. Auf die 1 darf die 2 oder auch die 18 gelegt werden, oder gleich die 99. Wer kann und möchte darf auch mehr Karten ablegen als nur die geforderten zwei. Danach zieht er wieder so viele Karten, bis er sechs davon auf der Hand hat.

Kann ein Spieler nicht mindestens zwei Karten ausspielen, weil alle Hochzählstapel schon höhere Werte haben als er auf seiner Hand hält und alle Runterzählstapel schon zu niedrig sind, endet das Spiel. In diesem Fall können die Spieler die übrigen Karten zählen und so feststellen, wie nah sie ihrem Ziel waren.

Sobald der Ziehstapel aufgebraucht ist muss nur noch mindestens eine Karte pro Zug abgelegt werden. Wessen Hand ganz leer ist, der spielt auch nicht weiter mit. Wenn alle Spieler ihre letzte Karte abgelegt haben, gewinnen sie.

Wege aus der Sackgasse

Da man pro Stapel im The Game Kartenspiel nur in eine Richtung zählen darf und man nicht immer kleine Schritte machen kann, gleichzeitig aber zum Spielen von zwei Karten gezwungen ist, kommt die Frage auf: Wie passt das alles am Ende zusammen? Es gibt eine Sonderregel, die es einem erlaubt, rückwärts zu zählen. Und zwar genau in Zehnerschritten! Zählt man also von der 1 aus 3, 5, 8, 9, 28 und 45, so darf als nächste Karte zum Beispiel die 35 gelegt werden und hierauf die 25. So hat man zwar zwei Karten ausgespielt, tatsächlich aber mehr Spielmöglichkeiten geschaffen. Diese Rückwärtshüpfer geben neuen Spielraum zum Ablegen von Karten und man sollte tunlichst darauf Acht geben, diese Möglichkeit auch zu nutzen. Zwar kann das Spiel auch ohne diesen Trick gewonnen werden, schließlich gibt es vier Stapel mit jeweils 98 fehlenden Zahlen und genau einmal eben diese Zahlen zum Ausspielen. Doch es bleibt nicht aus, dass man auch mal größere Sprünge machen muss und diese großen Lücken in Summe dafür sorgen, dass der Platz eng wird.

Um den heißen Brei herumreden

Als Kooperationsspiel erlaubt es das The Game Kartenspiel natürlich, dass die Spieler miteinander sprechen und ihre Züge aufeinander abstimmen. Jedoch ist es strengstens verboten, genaue Zahlenwerte zu nennen! Man muss also vage bleiben, wenn man über seine eigenen Karten spricht oder seine Züge plant. „Lass Stapel zwei in Ruhe, ich kann da gut hinlegen“ zu sagen ist erlaubt. „Bis zur 50 kannst du noch hinlegen, ab da mache ich weiter“ ist vielleicht schon zu konkret. Wie streng diese Regel ausgelegt wird kann man selbst entscheiden und so den Schwierigkeitsgrad noch anziehen.

Ebenso kann man das Spiel schwieriger gestalten, indem man die Handkartenzahl pro Spieler senkt oder die Anzahl der zu spielenden Karten erhöht. Dies kann auch individuell pro Spieler geschehen: Ein besonders erfahrener Spieler könnte zum Beispiel eine Handkarte weniger halten als die anderen Spieler. So bleibt The Game auch für alte Hasen noch interessant. Für einen leichteren Einstieg kann man den umgekehrten Weg gehen und mehr Handkarten erlauben, aber Vorsicht! Dadurch kann das Spiel sehr schnell zu leicht werden und die Herausforderung geht flöten. Ein Spiel wie The Game macht so viel Spaß, eben weil es so schwer zu schaffen ist.

Fazit zum The Game Kartenspiel

The Game Kartenspiel ist ein Spiel nach dem Prinzip: Einfach zu spielen, schwer zu meistern. Die Regeln sind in zwei Minuten erklärt, aber das bedeutet noch lange nicht, dass man es dann auch beherrscht. Wer einmal Solitär gespielt hat kennt den Effekt. Bei jeder neu aufgedeckten oder gezogenen Karte fiebert man mit, sie möge doch in die Spielsituation passen. Wer hier klug plant und sich viele Optionen offen lässt kommt auch mit schlechten Handkarten klar – vorausgesetzt, die Mitspieler machen nicht alles kaputt!

Denn diese müssen ja schließlich auch ihre Karten loswerden und verbauen ganz gerne mal, natürlich unabsichtlich, den Stapel, für den man eine ganze Reihe passender Karten hatte. Es folgen tiefe Verzweiflung über die Unfähigkeit der anderen Spieler, die eigenen Hinweise richtig zu verstehen, und nur ein Gedanke: So schwer kann das doch nicht sein! Also gleich nochmal einen Versuch starten. Es frustriert, es fordert, es motiviert und es bringt einen an den Rand des Wahnsinns. Es ist The Game Kartenspiel.

NSV - 4034 - THE GAME - Kartenspiel
  • Alle spielen gegen das Spiel. Kommunikation erlaubt!
  • Gewinnt das Spiel, waren die Spieler zu schwach!
  • Dauer: ca. 20 Minuten
  • Autor: Steffen Benndorf (QWIXX)
  • Besonderheit: Auch alleine spielbar!

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