Aufbau in der Tundra – Scythe [Rezension]

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Das Wichtigste in Kürze

In Scythe spielen die Spielerinnen und Spieler ein 4X-Spiel aus dem Feuerland-Verlag. Zwei bis fünf Spieler ab 14 Jahren mit Karten, Mechs, Spielertableaus und unzähligen Markern und 20 Anfphrerminiaturen.

  • Entwickeln, bauen, Mech einsetzen und rekrutieren ist angesagt
  • Die fünfte Aktion handelt von der Fabrik, die das Zentrum des Spielplans darstellt
  • Ihr spielt bis zum sechsten Stern, danach ist das Spiel beendet

Basierend auf der Welt von Jakub Rozalski präsentiert sich Scythe als ausgereiftes 4X-Spiel. 4X steht hierbei für: eXplore, eXpand, eXploit und eXterminate, also auf Deutsch: Erforschen, ausbreiten, ausbeuten und auslöschen. Das zunächst hochkomplex anmutende Prinzip wurde aber mit Bravour in ein Brettspiel mit minimalem Verwaltungsaufwand umgesetzt.

Datenblatt zum Brettspiel Scythe

Verlag: Feuerland
Anzahl Spieler: 2 – 5 Spieler
Empfohlenes Alter: ab 14 Jahren
Herausforderungen: Strategie, Bluff, Ressourcen, Entwicklung
Vergleichbar mit: Civilization, Terra Mystica

Was rappelt in der Kiste?

Die Box von Scythe kann sich sehen lassen. In dem Quader mit äußerst hübschem Artwork befinden sich Unmengen an Spielmaterial: Über hundert Karten verschiedener Arten, Ressourcenchips, Münzen aus Karton, Marker jeder Couleur und Holzklötzchen zur Markierung auf den Spielertableaus, die praktischerweise Vertiefungen besitzen, so dass bei einem unvorhergesehenen Tischbeben nicht alles durcheinander purzelt. Zudem erkennt man sofort, wo die Klötzchen hinkommen.

Besonders ins Auge fallen die die fünf Anführerminiaturen und 20 Mechs aus Kunststoff, deren Qualität das Spiel deutlich aufwertet.

Der Spielablauf von Scythe

Das Spielbrett von Scythe ist in Sechseckfelder unterteilt und umfasst ein fiktives Osteuropa der 1920er Jahre. Die Infrastruktur ist vom Krieg zerstört worden, und jedem Spieler fällt die Rolle zu, sein Land zur alten Größe aufzubauen.

Die Spielertableaus sind dabei ebenso wichtig wie das Spielbrett. Während man auf der Landkarte Mechs, Arbeiter und seine Anführerfigur bewegt, um Ressourcenfelder zu besetzen und seine Grenzen zu sichern, findet der wahre Aufbau auf den Tableaus der Spieler statt: Hier stehen vier verschiedene Aktionen bereit, die wiederum in eine obere und eine untere Aktion unterteilt sind. Die Kombination aus „oben“ und „unten“ ist bei jedem Spieler anders, und auch die Aktionen selbst weisen minimale Unterschiede auf, sind aber insgesamt gleichwertig.

Oben und Unten: Die Aktionen von Scythe

Obere Aktionen bestehen aus Bewegung, Aufrüstung, Handeln und Produzieren. Während drei davon selbsterklärend sind, verläuft „Aufrüsten“ anders als erwartet. Man stellt keine neuen Kampfeinheiten auf, sondern verschiebt lediglich den Marker auf einer Punkteleiste. Die Mechs, also die Kampfroboter, stellen lediglich die Positionierung auf der Landkarte dar.

Wer viele Arbeiter besitzt, bezahlt mehr für die Aktion „Produzieren“. Dann erhält man aber auch mehr Rohstoffe, die man für die unteren Aktionen benötigt:

  • Entwickeln“ kostet Öl und ist hierbei vielleicht die wichtigste Aktion im Spiel. Mit dieser Aktion nimmt der Spieler ein Klötzchen, das ein Feld einer oberen Aktion abdeckt, und legt es auf ein markiertes Feld einer unteren Aktion. Dadurch bringen obere Aktionen mehr Ertrag und untere Aktionen werden günstiger.
  • Mech einsetzen“ kostet Metall und platziert einen Mech, der nun eine militärische Präsenz darstellt. Je mehr Mechs man eingesetzt hat, umso mehr Sonderfertigkeiten hat man auch freigeschaltet, die von Land zu Land unterschiedlich sind.
  • Bauen“ kostet Holz und ist eine eher zweitrangige Aktion, kann jedoch richtig eingesetzt große Vorteile bringen. Die Gebäude bringen dem Besitzer mehr Ansehen, mehr Produktion, mehr Bewegung oder mehr militärische Stärke, können aber auch erobert werden.
  • Rekrutieren“ kostet Nahrung und schaltet einen Bonus frei, den der Spieler jedes Mal erhält, wenn ein Sitznachbar eine bestimmte der unteren Aktionen wählt. Zudem gibt es einen Sofortbonus in Form von Geld, Ansehen, Stärke oder Kampfkarten bringt.

Wichtig ist, dass die Rohstoffe auf das Feld kommen, auf dem sie produziert wurden. Man kann sie also an einen Eroberer verlieren, aber auch mit Mechs und Arbeitern wegbewegen.

Erstes Ziel ist die Fabrik

Das zentrale Feld des Spielplans von Scythe ist „Die Fabrik“. Betritt man diese das erste Mal, darf man sich eine der Fabrikkarten aussuchen und neben sein Tableau legen. Diese stellt eine fünfte Aktion dar, die sich deutlich von den normalen Tableauaktionen unterscheidet.

Betritt ein Anführer ein Feld, auf dem eine Begegnung liegt, zieht der Spieler eine entsprechende Karte und darf eines von drei möglichen Ereignissen wählen. Begegnungen sind immer positiv und man sollte so viele wie möglich einsammeln, um einen schnellen Vorteil zu erlangen.

Nur mit Mechs oder seinem Anführer können die Spieler tatsächlich kämpfen. Arbeiter ziehen sich automatisch zurück, wenn sie ungeschützt in ein Gefecht geraten. Doch jeder vertriebene Arbeiter kostet den Angreifer in Scythe Ansehen. Ist das Ansehen zu niedrig, kann das bei Spielende viele verlorene Punkte bedeuten!

Gekämpft wird im Brettspiel Scythe nach einem Bietsystem: Beide Kontrahenten stellen auf einer Drehscheibe ein, wie viele Stärkepunkte sie ausgeben wollen. Pro Mech oder Anführer darf noch eine Kampfkarte gespielt werden, die diese Zahl erhöht. Wer die höhere Summe hat, gewinnt und vertreibt den Gegner zurück in sein Heimatgebiet – zerstört wird nichts.

Die Endwertung von Scythe

Für das Erfüllen bestimmter Vorgaben erhält jeder Spieler Sterne. Diese umfassen alle Aspekte des Spiels und bevorzugen so eine ausgewogene Spielweise. So gibt es jeweils einen Stern für alle eingesetzten Arbeiter, Mechs oder Rekruten, hohes Ansehen oder Stärke, gewonnene Kämpfe (maximal zwei) und so weiter.

Sobald ein Spieler seinen sechsten Stern in Scythe erhalten hat, ist das Spiel beendet und die Endwertung findet statt. Hier ist das Ansehen essenziell, denn es bestimmt, wie viele Punkte ein Feld, ein Stern und ein Rohstoff wert sind. Wer wie Rambo alles umhaut, wird wenig Ansehen haben und somit nur selten gewinnen.

Ziel des Spiels ist es, am Ende die meisten Punkte zu besitzen.

Fazit

Scythe ist ein flüssiges und gut ausbalanciertes Brettspiel. Alles greift ineinander und strategische Monokulturen werden bei Spielende bestraft. Auch wenn es zunächst danach aussieht, ist es keine Kampfsimulation. Der geschickte Einsatz von Ressourcen und gutes Timing sind viel mehr wert, und manchmal ist Abwarten die bessere Strategie, um den perfekten Augenblick abzupassen.

Nicht verschweigen möchte ich, dass das Spiel recht lange dauert und etwas Planung erfordert. Für Fans von Mammutspielen ist es jedoch genau das Richtige!

div Scythe (deutsch)
  • In einem fiktiven Europa der 1920er Jahre versuchen 5 Nationen die Kontrolle über Osteuropa zu übernehmen.
  • Was auf den ersten Blick wie ein taktisches Konfliktspiel aussieht, ist im Herzen ein sehr strategisches Spiel mit starken Aufbauelementen.
  • Die phantastisch gestaltete fiktive Welt und die hochwertige Ausstattung mit detailreichen Plastikfiguren und liebevoll gestalteten Holzteilen machen das Spiel optisch und haptisch zu einem Genuss.
  • Spielzeug
  • Div.

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