Tu’s, wie es die Römer tun – Ruhm für Rom [Rezension]

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Das Wichtigste in Kürze

Rom wurde nicht an einem Tag erbaut. Ihr baut Gebäude, handelt mit Ressourcen, plant die Stadt und kämpft schließlich für Ruhm für Rom!

  • Für zwei bis fünf Spieler ab 12 Jahren
  • Helferrollen bauen mit euch Rom auf: Baumeister, Arbeiter, Handwerker und Kaufleute
  • Gebäude besitzen Privilegien, die euch nach bestimmten Mechaniken helfen, so groß und gut wie möglich zu werden

Wie man mit nur einem Kartenstapel ein komplexes Aufbauspiel mit Tiefgang machen kann, zeigt uns Lookout Games mit seinem Kartenspiel Ruhm für Rom. In dem unscheinbar wirkenden Kartenspiel stecken eine Menge schlauer Ideen! Welche das sind und wie ich Ruhm für Rom bewerte, erkläre ich dir in dieser Rezension.

Datenblatt zum Kartenspiel Ruhm für Rom

Verlag: Lookout Games
Anzahl Spieler: 2 – 5 Spieler
Empfohlenes Alter: ab 12 Jahren
Herausforderungen: Planung, Aufbau
Vergleichbar mit: Puerto Rico

Mit Toga und Lorbeer: Inhalt

Die Spielevox von Ruhm für Rom enthält neben den 198 Karten lediglich fünf Spielertableaus und sieben Holzmarker. Der Spielaufbau ist entsprechend einfach. Hat es das Spiel dennoch faustdick hinter den Ohren?

Auferstanden aus Ruinen

Rom ist abgebrannt und Kaiser Nero ruft dazu auf, die Stadt ein weiteres Mal aufblühen zu lassen. Als Baumeister streben die Spieler danach, im Verlauf der Aufbauarbeiten möglichst viel Ansehen zu erwirtschaften und dabei vielleicht noch einige Penunzen in die eigene Tasche fließen zu lassen.

Der Clou ist, dass es nur eine Sorte Karten gibt, die aber viele verschiedene Funktionen besitzen. So ist jede Karte zugleich Baumaterial, Helfer, Gebäude und Punktezähler – je nachdem, wo auf dem Tisch sie liegt.

Von Abfall zum Atrium

Das Spiel besteht aus drei Bereichen. Insgesamt sechs Stapel mit Bauplätzen für Gebäude der sechs Baumaterialien liegen bereit: Holz, Stein, Schutt, Ziegel, Marmor und Zement. Jedes Gebäude benötigt den passenden Bauplatz.

Daneben befindet sich der Umschlagplatz, eine Art offenes Buffet. Hier kommen ausgespielte Helfer hin, nachdem sie abgehandelt wurden, und zählen fortan als Baumaterial.

Zuguterletzt hat jeder Spieler ein Tableau vor sich liegen, das alle möglichen Aktionen erläutert.

Der Spieler, der an der Reihe ist, spielt eine Karte von der Hand aus und gibt somit vor, welche Helferrolle diese Runde gespielt wird. Die anderen Spieler können nun reihum entweder »folgen«, also eine ebensolche Karte ausspielen (oder einen Senator, der als Joker zählt) und somit ebenfalls die dazugehörige Aktion ausführen, oder »nachdenken«, um bis auf ihr Handkartenlimit aufzuziehen.

Baumeister und Handwerker können beide entweder einen Bauplatz beschaffen oder Baumaterial an ein bereits im Bau befindliches Gebäude anlegen – der eine aus der Hand, der andere vom eigenen Materiallager.

Der Arbeiter erlaubt es, eine Karte vom Umschlagplatz zu nehmen und als Material ins Materiallager zu legen.

Der Kaufmann macht Material zu Geld und lässt eine Karte aus eurem Materiallager in eure Privatschatulle wandern, wo sie bei Spielende Punkte gibt.

Rom verlangt Tribut!

Der Legionär und der Patron sind etwas komplexere Rollen in Ruhm für Rom. Wer den Legionär spielt, der darf eine Karte von seiner Hand vorzeigen und zum Beispiel verkünden: »Rom verlangt Marmor!« Jeder benachbarte Spieler muss nun entweder eine Marmorkarte herausrücken, oder mit »Ruhm für Rom!« verlautbaren, dass er das geforderte Material nicht auf der Hand hat. Die gemopsten Karten kommen zusammen mit einer eben solchen Karte vom Umschlagplatz ins Materiallager.

Der Patron ist wohl mit Sicherheit die wichtigste Aktion, um den anderen Spielern eine Nasenlänge voraus zu sein: Mit dieser Aktion kann man eine Karte vom Umschlagplatz in sein Klientel legen. Spielt nun jemand diesen Kartentyp an, so darf man für jede Karte dieses Typs im Klientel die angespielte Aktion einmal durchführen – und zwar unabhängig davon, ob man folgt oder nachdenkt! Wer geschickt entscheidet, womit er sein Klientel füllt, profitiert von jeder Aktion seiner Gegner doppelt und dreifach.

Macht und Einfluss

Ein Gebäude ist fertiggestellt, wenn es die benötigte Anzahl Baumaterialien erhalten hat. Der Bauplatz wird dann unter das eigene Tableau geschoben und erhöht den Einfluss, der wiederum das Limit für Karten im Klientel und in der Privatschatulle vorgibt. Zudem hat jedes Gebäude noch eine Sonderfunktion. Manche Bauwerke erhöhen die maximalen Handkarten, andere erlauben bestimmte Sonderregeln zu nutzen und einige wenige beenden das Spiel vorzeitig. Die meisten Privilegien der Gebäude funktionieren nach dem »wenn … dann«-Prinzip: Wenn bestimmte Situationen eintreten, darf man etwas tun. Spätestens jetzt sollte man eine vernünftige Strategie haben, denn zwar profitiert man von jedem Gebäude mehr oder weniger, aber erst wenn alle Sonderfähigkeiten am gleichen Strang ziehen und sich gegenseitig unterstützen kann man den anderen Spielern so richtig davonrennen.

Die Materialart der Gebäude spielt ebenfalls eine Rolle. Schuttgebäude sind schwach, aber schnell fertig. Marmorgebäude hingegen können die ganze Spielsituation auf den Kopf stellen – doch zu verlockend ist es, den Marmor einfach für schnelle drei Punkte in die Privatschatulle zu befördern.

Das Spiel endet, wenn alle Bauplätze aufgebraucht sind oder eines der wenigen Gebäude gebaut wurde, die das Spiel sofort entweder mit dem eigenen Sieg oder der regulären Punktewertung beenden.

Fazit zu Ruhm für Rom

Das kompakte Design des Spiels ist zugleich sein größter Schwachpunkt. Jede Karte macht alles und so fällt es gerade Anfängern schwer, zu überblicken, was gerade möglich ist. Habe ich jetzt ein Gebäude oder Material liegen? Was muss ich spielen, damit ich das benötigte Baumaterial bekomme? Welche Klienten besorge ich mir sinnvollerweise? Mit Anfängern zieht sich eine Partie »Ruhm für Rom« ewig hin und in einer gemischten Spielrunde wird recht schnell deutlich, wer das Spiel schon öfters gespielt hat und wer es zum ersten Mal vor sich hat.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Das Spiel selbst ist nicht allzu schwierig, sondern bietet durch seine unintuitive Kompliziertheit eine recht große Einstiegshürde. Man muss erst einmal verstehen, wie das mit den Helfern, dem Umschlagplatz, der Kartenhand und dem Materiallager funktioniert und wie diese Funktionen alle ineinandergreifen. Wenn man da aber einmal durchgestiegen ist, hat man ein schön vielseitiges Kartenspiel, das man immer wieder spielen kann. Die zahlreichen verschiedenen Gebäude sorgen in ihren Kombinationen für genug Abwechslung. Sollte es dennoch irgendwann zu eintönig werden, bringt die Erweiterung »Mehr Ruhm für Rom« wieder etwas frischen Wind hinein: 12 neue Gebäude in dreifacher Ausführung warten auf die antiken Baumeister.

Ruhm für Rom
  • Sprache Spielanleitung: DE
  • Spieleranzahl: 2-5
  • Spielzeug
  • Lookout Games

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