Massive Monster-Mobs mit Massive Darkness [Rezension]

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Das Wichtigste in Kürze

Massive Darkness ist ein kooperativer Dungeon-Crawler ohne Endgegner. Die ein bis sechs Spieler schlüpfen in ihre Rollen, begeben sich in den Dungeon und erfüllen Quests – wie man es von Spielen rund um Dungeons eben kennt. Aber Massive Darkness hat ein paar Besonderheiten:

  • Es gibt keinen Dungeon Master
  • Zehn Szenarien machen Massive Darkness abwechslungsreich
  • Monster treten in Mobs auf und können ausgerüstet (und gelootet!) werden
  • Die Helden kommen aus dem 3D-Drucker

Dungeoncrawler sind im Brettspielbereich ein Dauerbrenner. Massive Darkness von Asmodee wurde als Kickstarterkampagne mit Miniaturen von Cool Mini Or Not verwirklicht und befindet sich nun bei uns auf dem Prüfstand.

Es wird Zeit für einen Dungeon-Crawler! Ab in den Keller! In Massive Darkness könnt ihr Schätzer sammeln, Monster (Mobs!) bekämpfen, Ausrüstungen sammeln und euch an der Geschichte des Szenarios entlang hangeln. Je weiter die Spieler im Brettspiel Massive Darkness im Dungeon vorankommen, desto höher werden ihre Level und je mehr Ausrüstungsgegenstände sammeln sie. Ein spannendes und herausforderndes Spiel, das ich im Folgenden spoilerfrei rezensieren möchte.

Datenblatt zum Brettspiel Massive Darkness

Verlag: CMON / Asmodee
Anzahl Spieler: 1 – 6 Spieler
Empfohlenes Alter: ab 14 Jahren
Herausforderungen: Teamwork, Strategie, Glück
Vergleichbar mit: Gloomhaven, Descent, Zombicide

Das Inventar von Massive Darkness

Massive Darkness enthält eine Menge Inhalte. Gemäß dem Regelbuch baut ihr ein Szenario auf aus den verschiedenen Dungeon-Brettern. Hier werden also keine neuen Gebiete erkundet und aufgedeckt, sondern der Dungeon steht am Anfang einer jeden Partie fest. Ihr verteilt Schätze, Monster und andere Karten entsprechend der Anleitung.

Genretypisch kommt Massive Darkness in einer ebenso massiven Box daher. Cool Mini Or Not haben sich nicht lumpen lassen und präsentieren 75 Miniaturen, neun doppelseitig bedruckte Spielplanteile, knapp 300 Karten verschiedenster Arten, über 100 Marker, zwölf Spezialwürfel und je einen Satz aus Klassenbogen, Tableau und farbigem Basemarkierer pro Held.

Die Miniaturen haben wie vom Miniaturenhersteller gewohnt eindrucksvolle Posen. Die Tableaus bestehen ungewohnt aus Hartplastik und haben kleine Löcher als Steckplätze sowie Ablageplätze für Karten. Insgesamt macht das Spielmaterial einen sehr hochwertigen Eindruck.

Für jeden Held, den sich die Spieler aussuchen, gibt es ein Tableau aus Plastik sowie entsprechende Karten. Mit Steckmarkern und einem Werte-Block leveln die Spieler im Verlauf von Massive Darkness ihre Fähigkeiten auf.

Dazu gibt es jede Menge Würfel, Karten, Marker und dreidimensionale Figuren, die die Spielebox sehr gut ausfüllen und es fast unmöglich machen, das gesamte Inventar von Massive Darkness aufzuzählen. Daher lege ich direkt mit dem Spielen los.

Drauf und dran, Spieß voran!

Die Spieler dringen in Massive Darkness als Gruppe in den Dungeon ein und versuchen, sich bis zum Endgegner durchzuschlagen. Hierbei ziehen alle am selben Strang und keiner wird auf die undankbare Rolle des Spielleiters abgeschoben. Stattdessen darf jeder Mitspieler in die Rolle eines Paladins, Magiers, Rogues oder sonstigen Fantasyhelden schlüpfen, um den Monstern eins auf den Deckel zu geben.

Das gesamte Spielfeld ist zu Beginn sichtbar, so dass es kein Verlaufen und kein Umherirren gibt. Jedoch werden die Gefahren, die sich den Helden bieten, erst mit dem Öffnen der Türen offenbart: Eine Türkarte zeigt, was sich dahinter verbirgt und gibt für jede mögliche Raumgröße an, was aufgestellt werden soll. Das können verschiedene Monster oder Monstergruppen sein, aber auch Schätze unterschiedlichen Ausmaßes. Neu ist, dass hier die Monster ebenfalls magische Gegenstände wie Waffen und Rüstungen tragen, die nicht nur nach deren Ableben geplündert werden können, sondern die sie auch selbst verwenden!

Die Helden-Tableaus

Jeder Spieler spielt einen bestimmten Helden, der durch ein Plastiktableau mit Aufbewahrungsmöglichkeiten für die Karten sowie dem Werteblock aus Papier dargestellt wird. Diese Tableaus legt ihr vor euch, während ihr spielt.

Sucht euch einen der sechs Charaktere aus und baut eure Tableaus auf. Dem Helden ordnet ihr nun eine Heldenklasse zu. Du kannst deinem Helden auf dem Werteblock einen Namen auf dem Werteblock der bestimmten Klasse geben. Jede Klasse hat andere Ausgangswerte der Fähigkeiten, und es ist auch möglich, neue Skills im Verlauf des Spiels freizuschalten.

Zu Beginn hat jeder Held einer bestimmten Klasse einen Signature Skill, den ihr mit Erfahrungspunkten (XP) bezahlt und einen Free Class Skill. Bei der Klasse Paladin of Fury beispielsweise kannst du allen Verbündeten in der gleichen Zone ein Plus an Verteidigung gewährleisten, beim Signature Skill „Bodyguard“ kannst du einen Angriff auf einen Mitspieler abfangen.

Auf dem Plastik-Tableau befindet sich auf der linken Seite die Lebenspunktanzeige. Ihr beginnt mit fünf Lebenspunkten, könnt aber im Verlauf des Spiels noch mehr an Gesundheit zunehmen und bis zu sieben Lebenspunkte erreichen. Rechts oben befindet sich eure Rüstung, unten links die Waffe eures Charakters. Die Erfahrungspunkte werden mit einem Steckmarker auf einem 30-Punkte-Feld erhöhen.

Jeder Held im Dungeon von Massive Darkness hat eine besondere Fähigkeit, die ihr auf der Charakterkarte finden könnt.

Wie spielt man Massive Darkness?


Das Spiel bietet zwei Möglichkeiten: Entweder man spielt ein Einzelszenario, oder man stellt sich der großen Herausforderung und spielt alle Szenarien als Kampagne. Die Kampagne ist allerdings anscheinend mehr ein Aufsatz auf ein eigentlich fertiges Spiel. Da man seine Helden und Ausrüstung von einer Partie zur nächsten übernimmt wird der Fortschritt stark ausgebremst: Jeder Erfahrungspunkt ist nur noch ein Fünftel wert. Das sorgt dafür, dass gerade am Anfang der Kampagne das Spiel sehr schwer ist, doch da die Kampagne insgesamt zehn Szenarien umfasst wird es am Ende extrem leicht. Das fühlt sich falsch an und daher empfehlen wir eindeutig die Einzelszenarien.

Ein Spielzug verläuft sehr geradlinig. Ein Spieler hat drei Aktionen, die er entweder für Bewegungspunkte, zum Angreifen oder zum Plündern des aktuellen Feldes einsetzen kann. Bei der Bewegung erhält er zwei Bewegungspunkte, die er verwenden kann, um sich ein Feld zu bewegen oder eine Tür zu öffnen. Man kann sich also zum Beispiel zwei Felder weit bewegen und zweimal angreifen, oder sich sechs Felder weit bewegen.

Für besiegte Gegner gibt es Erfahrungspunkte, und zwar für die ganze Gruppe. Es entsteht also kein Wettrennen, wer den entscheidenden Treffer landet. Diese Punkte können auf dem Klassenbogen für Fähigkeiten ausgegeben werden. Hierbei sind verschiedene Skillungen möglich, die wiederum andere Spielstile erlauben. Positiv ist zudem, dass man die Klassenbögen durchaus ungewöhnlichen Charakteren zuweisen kann. Der Zauberer kann also die Fähigkeiten nehmen, die eigentlich dem Paladin zugedacht sind. Dies ist vor allem interessant, wenn man nicht mit der maximalen Spieleranzahl spielt und Mischrollen einsetzen will.

Auch ein besonderer Punkt ist, dass man nicht durch Erfahrungspunkte auflevelt, sondern durch das Betreten neuer Spielabschnitte. Dies hat mehrere Auswirkungen: Zwar werden die Monster nun härter, allerdings hauen auch die gefundenen Schätze stärker rein und die Heldenfertigkeiten höherer Level dürfen nun, soweit gekauft, auch endlich eingesetzt werden. Mit etwas Glück kann man jedoch auch Schätze des nächsten Levels in den Räumen finden, was dann natürlich einen enormen Machtschub liefert.

In der Heldenphase kann jeder Held drei Aktionen ausführen. Ihr könnt euch bewegen, Schätze aufsammeln oder beispielsweise Monster angreifen. Entsprechend eurer Bewegungspunkte auf dem Werteblatt deiner Klasse kannst du dich unterschiedlich weit in jeder Runde bewegen.

Mit zwei Bewegungspunkten kann sich ein Held in Massive Darkness einen Raum vorwärts bewegen. Öffnest du eine Tür, ziehst du eine Türkarte. Jede dieser Türkarten hat drei Effekte für drei Zonen. Je nach dem, in welcher Zone des Dungeons du eine Tür öffnest, spawnen Monster, du kannst Karten ziehen, vielleicht geschieht nichts, aber eines ist sicher: Massive Darkness hat eine krasse Spannungskurve, die mit einem sich erhöhenden Schwierigkeitsgrad einhergeht 😉

Gelangt ihr auf ein Szenario-Token, bringt ihr die Geschichte voran, die für euer Szenario vorgesehen ist. Ich bleibe bei meinem Vorsatz, spoilerfrei zu rezensieren, und verrate nicht mehr.

Monster bekämpfen

Die Monster kommen häufig in Mobs: Es gibt auf einer Monsterkarte oft einen Boss und die Anzahl der Minions, die mit ihnen auftauchen. Außerdem gibt es Agenten; sie haben doppelt so viel Leben wie Spieler, die Massive Darkness spielen und können zusätzliche Monster herbeirufen, wenn sie nicht in einer Runde besiegt wurden. Besonders in Massive Darkness ist, dass die Monster ebenfalls Rüstungen tragen können. Bei einem Monstermob zieht ihr beispielsweise eine Rüstungskarte, was die Kämpfe abwechslungsreicher und schwieriger macht. Doch die Belohnung ist nicht weit: Ist der Boss des Mobs besiegt, wird natürlich fein gelootet!

Angriffe werden mit den zwei Sorten Angriffswürfel durchgeführt. Die eingesetzte Waffe gibt genau vor, was zu werfen ist und bietet auch Sonderfähigkeiten für gewisse Würfelergebnisse. Der Angegriffene darf sich auf die gleiche Weise mit Verteidigungswürfeln schützen, die seine Rüstung ihm verleiht. Auch diese können besondere Fähigkeiten besitzen, die größtenteils praktisch in Keywords zusammengefasst sind.

Es gibt vier verschiedene Würfelfarben: Rot, Gelb, Blau und Grün. Die roten und gelben Würfel enthalten überwiegend Schwertsymbole und stellen den Schaden dar, der in Kämpfen ausgeteilt wird. Beim Bam-Symbol auf dem Schwertwürfel gibt es die Möglichkeit, zusätzlich von Zaubersprüchen zu profitieren, und beim Diamant-Symbol gibt es im späteren Verlauf des Spiels ebenfalls Verzauberungen und Spezial-Effekte.

Die grünen und blauen Würfel enthalten Schilder und sind für die Verteidigung. Auch die Mobs können sich verteidigen. Somit kämpfen die Spieler nicht nur gegen Monster mit ihren Angriffs- und Verteidigungswerten. Massive Darkness ist nicht vorausschaubar, was es zu einem hervorragenden Dungeon-Crawler macht.

Ende gut, alles gut

Eine Endwertung in dem Sinne gibt es nicht. Das Spiel ist gewonnen, wenn der Endboss in Form eines besonderen Monsters erlegt wurde. Dies dauert laut Boxaufdruck etwa zwei Stunden, doch weiß man als alter Dungeonplünderer, dass diese Zeit sehr stark davon abhängt, wie viel während des Spiels über das optimale Vorgehen diskutiert wird. Dennoch ist die Spielmechanik sehr eingängig und sollte kaum für weitere Verzögerungen sorgen, so dass man mit den maximal angegebenen drei Stunden gut hinkommen sollte.

Fazit zu Massive Darkness

Wer Zombicide kennt, wird sich bei der Bewegungs- und Feldermechanik des Spiels direkt heimisch fühlen. Überhaupt scheint beim Spieldesign Zombicide der Ausgangspunkt gewesen zu sein. Massive Darkness ist ein feiner Dungeoncrawler mit mäßiger Komplexität, der eindeutig auf Einzelszenarien ausgelegt ist und so auch viel Spaß macht. Die Spielplanteile sind für unseren Geschmack etwas zu unruhig, so dass die Marker für Türen und Ähnliches leicht übersehen werden können, aber ansonsten gibt es nichts auszusetzen. Jedes Teil ist quadratisch und erleichtert so das Einräumen und die Lagerung massiv.

Die Hintergrundgeschichten sind ebenso wenig bemerkenswert wie sie wichtig sind: Letzten Endes kämpft man sich durch das Gewölbe, rüstet sich mit den gefundenen Waffen, Rüstungen und magischen Gegenständen aus, schaltet seine Fähigkeiten frei, erreicht den Endboss und gewinnt dann (hoffentlich) den finalen Kampf. Nicht mehr, aber auch nicht weniger und definitiv eine gute Art, einen Spieleabend mit fünf Freunden zu verbringen.

Das Brettspiel Massive Darkness von CMON / Asmodee hat mich wirklich überzeugt. Das ist nicht leicht, denn ich bin grundsätzlich kein Fan von Dungeon-Crawlern. Merkwürdig, eh?

Ich schätze, es gibt für jeden Gesellschaftsspielefreund verschiedene Vorlieben und Abneigungen, die sich aufgrund der Spielerfahrung bilden. Ich hatte womöglich einen schlechten Start mit Dungeon-Crawlern, bin aber jetzt total angefixt vom szenariobasierten Massive Darkness. Auch toll ist, dass es einen Solospielermodus gibt. Dieser Storymode funktioniert ganz nett, ist aber nicht mein Fall; ich spiele vielleicht doch am liebsten mit meiner Gruppe.

So oder so kann ich dir nur empfehlen, dir Massive Darkness zuzulegen und das Spiel selbst zu spielen!

Cool Mini or Not CMN0041 Massive Darkness-Grundspiel
  • Autor: Raphael Guito, Jean-Baptise Lullien, Nicolas Raoult
  • Spieldauer: ca 120 Minuten
  • Spieleranzhal: 1 - 6
  • Spielzeug
  • Cmon

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