In der Traumschmiede – Imaginarium [Rezension]

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Imaginarium entführt die Spieler in eine bizarre Steampunkwelt. In ihren Werkstätten schrauben sie Maschinen zusammen, um die besten ihrer Zunft zu werden.

Datenblatt zum Brettspiel Imaginarium
Verlag: Asmodee
Anzahl Spieler: 2 – 5 Spieler
Empfohlenes Alter: ab 14 Jahren
Herausforderungen: Ressourcen, Planung
Vergleichbar mit: Shakespeare, Rokoko

 

Schrauben und Muttern – Der Boxinhalt

Fünf wirklich schön modellierte Büsten halten als Spielfiguren von Imaginarium her. Eine praktische Fächerbox hält die vier Ressourcen sortiert und sorgt für einen schnellen Spielauf- und Abbau. Maschinen- und Assistentenkarten, kleinere Projektkärtchen, Holzmarker und Siegpunktchips sind in übersichtlicher Menge vorhanden. Für jeden Spieler liegt ein Tableau sowie ein Sichtschutz bereit.

Alle Pappelemente sind ebenso wie das Spielbrett wirklich phantasievoll illustriert. Der Stil erinnert an eine Mischung aus Steampunk und Zauberer von Oz. Diese Optik ist zwar sehr gewöhnungsbedürftig, aber gibt dem ganzen Spiel einen besonderen Touch.

 

Wir werkeln und schrauben uns was zusammen

Bei Imaginarium kaufen wir kaputte Maschinen und reparieren sie, um sie für uns nutzbar zu machen. Man beginnt mit einer „Kohlette“, einer mechanisch aufgemotzten Riesenschnecke, die ein  stetiges Einkommen an „Kohlium“ liefert. Dieses stellt die Grundwährung im Spiel dar. Daneben gibt es noch eine „Kupferette“, die Kupfer liefert. Weitere Rohstoffe sind Holz und Kristall, für die wir jedoch zu Beginn noch keine Produktionsmöglichkeit haben.

Das Spielbrett

Das Spielbrett besteht in der Hauptsache aus einer Leiste, auf der mehrere Maschinen zum Kauf bereit liegen sowie einigen „Erntefeldern“ dahinter, die lediglich ein Kohle-, Pardon, Kohliumeinkommen bieten. Neue Maschinen werden immer von vorne nachgefüllt und nicht gekaufte Maschinen rutschen nach hinten und werden billiger. Zu Beginn jeder Runde wählen die Spieler aus, welche Maschine sie vorhaben zu kaufen oder welches Kohliumfeld sie ernten wollen. Die Position der Figuren gibt dann die Zugreihenfolge für die aktuelle Runde vor und ebenso die Reihenfolge der Auswahl in der nächsten Runde.

Der Spieler am Zug bezahlt seine gewählte Karte bzw. streicht das erhaltene Kohlium ein und hat danach zwei Aktionen zur Wahl. Diese sind auf seinem Tableau in Form einer Uhr mit drehbarem Doppelzeiger dargestellt. Die durchgeführten Aktionen müssen auf dem Ziffernblatt zueinander benachbart sein und es darf nicht die gleiche Kombination wie in der vorherigen Runde gewählt werden. Diese Einschränkung ist ziemlich wichtig, da sie gewisse Kombinationen an Aktionen ausschließt. Jedoch erscheint sie im Spielverlauf eher lästig als fordernd.

Spielmechanik

Eine gekaufte Maschine muss erst repariert werden, ehe man sie einsetzen kann. Dazu gibt man bei der entsprechenden Aktion die auf der Karte angegebenen Rohstoffe ab und legt die Maschine einsatzbereit in die eigene Werkstatt. Dort sind nur vier Plätze vorhanden, doch besteht die Möglichkeit, Maschinen zu kombinieren. Zwei Kohletten produzieren statt nur einer Einheit Kohlium gleich drei, und drei Kohletten liefern direkt die fünffache Menge. Alternativ kann man eine Produktionsmaschine direkt mit einem Verbraucher koppeln, den man dann nicht mehr gesondert mit Rohstoffen füttern muss. Kombinierte Maschinen kann man mit der gleichen Aktion „Umorganisieren“ auch wieder trennen.

Des Weiteren kann man kaputte und reparierte Maschinen gegen Siegpunkte oder Rohstoffe verkaufen, diese direkt gegeneinander tauschen, Assistenten einstellen die besondere Boni gewähren oder sich ein Zusatzeinkommen an Kohlium gönnen.

Quests / Projekte

Am lukrativsten ist es, die ausliegenden „Projekte“ zu erfüllen. Wer als erster 15 Kohlium besitzt, legt ein Plättchen auf dieses Projekt und erhält drei Siegpunkte. Der nächste Spieler, der dieses erreicht, erhält nur noch zwei Punkte, und so weiter. In dieser Art belohnen alle Projekte die Spieler für bestimmte erreichte Meilensteine wie Anzahl Maschinen, Anzahl Rohstoffe, Produktion oder Assistenten.

Nicht jede Maschine baut oder produziert im Brettspiel Imaginarium. Bestimmte Angriffsmaschinen klauen den Mitspielern ihre Rohstoffe. Um dagegen vorzugehen kann man Verteidigungsmaschinen bauen, die eben dies verhindern. Transmutationsmaschinen füttert man mit Material, aus dem sie anderes Material machen, und der Diplomateur produziert schließlich einen Siegpunkt pro Runde – oder sogar drei, wenn man ihn mit einem zweiten seiner Art koppelt.

 

Werksschluss

Das Spiel endet am Ende der Runde, in der einer der Spieler mindestens 20 Siegpunkte erreicht hat. Gewonnen hat natürlich der Spieler mit dem dicksten Punktekonto. Da aber alle Ressourcen und Siegpunkte hinter dem Sichtschirm verborgen sind, haben Spieler mit einem guten Gedächtnis und allgemeiner Spielübersicht einen merklichen Vorteil. Man kann nicht mal eben so nachzählen, was sich der Konkurrent denn leisten kann oder wie nah er dem Sieg schon ist.

 

Fazit zu Imaginarium

Von dem stimmungsvollen Untertitel „Die Traumfabrik“ bleibt unterm Strich leider nichts übrig. Imaginarium ist ein lupenreines Ressourcenspiel mit einfacher, aber solider Mechanik. Die Illustrationen, die wie aus einem LSD-Traum erscheinen, geben dem Spiel einerseits einen gewissen Charakter. Auf der anderen Seite machen sie gerade bei den Assistenten das Nachschlagen in der Anleitung unnötig schwer. Die Namen der Karten wirken nach dem fünften „Diplomateur“, „Waldräubeur“ und so weiter schnell eher gezwungen als originell. Kupfer und Holz hätte man auf dem Spielmaterial farblich auch etwas besser voneinander absetzen können. Im Bereich Ästhetik hatten sich die Designer viel vorgenommen, doch leider ergänzt sich das Spiel mit seinem Erscheinungsbild nur bedingt.

Es wäre zu wünschen gewesen, das Thema „Traumfabrik“ im Spiel etwas deutlicher wiederzufinden. Zwar finden wir in den Illustrationen zahlreiche Tiere mit Maschinenaufbauten oder bei den Assistenten wundersame Kombinationen, die wie exotische Wolpertinger auf ihre Anstellung bei uns warten, doch mit Träumen hat das alles wenig zu tun. Es scheint, als sei „Imaginarium“ ein fehlgeschlagener Top-Down-Versuch, bei dem sich die Spielmechanik immer weiter vom eigentlich geplanten Thema entfernt hat.

Was bleibt ist ein Wettrennen, um die Projekte möglichst als erster abzuschließen und als erster 20 Punkte zu erreichen. Die Maschinen sind reiner Selbstzweck und produzieren nur, um schneller mehr Maschinen zu bauen. Insgesamt ist Imaginarium schön aufgemacht, aber das Spielerlebnis lässt uns etwas unbefriedigt zurück.

 

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