So war es damals – Im Wandel der Zeiten [Rezension]

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Das Wichtigste in Kürze

Im Brettspiel „Im Wandel der Zeiten“ entwickeln die Spielerinnen und Spieler ihre Zivilisation innerhalb von drei Epochen vom Altertum bis in neuere Zeiten. Das Spiel ist ab zwölf Jahren und für zwei bis vier Spieler geeignet.

  • Kultur ist das A und O! Ihr sammelt Kulturpunkte, die wiederum Siegpunkte bedeuten.
  • Politische Aktionen könnt ihr ausführen – sie wirken aber nicht direkt, sondern komplexer.
  • Mit Aktionen kauft ihr Karten, um euch weiterzuentwickeln.

Vlaada Chvátil hat wieder zugeschlagen. Der tschechische Erfolgsspieleautor präsentiert uns mit „Through the Ages“ eine Neuauflage des bereits einige Jahre zuvor erschienenen Schwergewichts „Im Wandel der Zeiten“.

 Datenblatt zum Brettspiel Im Wandel der Zeiten

Verlag: Czech Games Edition / Asmodee
Anzahl Spieler: 2 – 4 Spieler
Empfohlenes Alter: ab 12 Jahren
Herausforderungen: Aufbau, Wirtschaft
Vergleichbar mit: Civilization

Woraus Zivilisationen gebaut sind: Inhalt

Die Box enthält eine Spielanleitung sowie den Hauptspielplan. Gespielt wird Im Wandel der Zeiten dann mit 341 Karten und 275 Spielsteinen. Die 40 Wertungssteine werden zum Ende des Spiels enorm wichtig, und das Brettspiel funktioniert natürlich nicht ohne die Spielertableaus. Hiervon gibt es vier verschiedene Sets à zwei Tableaus.

Aus den Schatten der Vergangenheit

Wir beginnen als Zivilisation im Altertum und streben an, im Laufe von drei Zeitaltern die meisten Kulturpunkte anzusammeln. Kulturpunkte sind unsere Siegespunkte und stellen dar, wie groß der Fußabdruck ist, den unsere Zivilisation in der Geschichte hinterlassen hat.

Um dies zu erreichen müssen wir ein delikates Gleichgewicht zwischen Bevölkerung, Produktion und Militär halten. Überproduktion bedeutet Korruption, Überbevölkerung schwächt uns durch unzufriedene Bürger und stecken wir zu viel Aufwand in unser Militär, treten wir auf der Stelle. Andersherum können wir nur mit ausreichend Bevölkerung auch unsere Minen betreiben oder Soldaten aufstellen.

Alle Ressourcen werden durch farbige Würfel dargestellt. Die gelben Würfel sind unser Volk – legen wir sie auf eine Minenkarte, bauen sie Rohstoffe ab. Legen wir sie auf eine Landwirtschaftskarte, bestellen Bauern die Felder und produzieren Nahrung. Diese kommen in Form von blauen Würfeln auf die entsprechenden Karten, so dass immer eindeutig ist, was sie darstellen.

Nach dem Schema teilen wir unsere Bevölkerung den verschiedenen Aufgaben zu und nutzen die Erträge wiederum zum Kauf besserer Karten.

Auf der politischen Bühne in Im Wandel der Zeiten

Interessant sind die politischen Aktionen, denn diese werden teilweise nicht direkt ausgeführt. Nachdem die Zivilkarten aufgefüllt wurden können wir eine Karte aus der Hand in den Stapel „zukünftige Ereignisse“ legen und danach eine Karte vom Stapel „gegenwärtige Ereignisse“ auslösen. Man hat somit zwar Einfluss darauf, welche Ereignisse demnächst geschehen, aber wann genau ist unsicher. Dennoch kann man abschätzen, wer bei der Abwicklung einen Vorteil haben wird, da sie sich häufig auf die militärische Stärke beziehen. So werden zum Beispiel beim Erwerb von Kolonien militärische Einheiten geboten, was bedeutet, dass der Spieler mit den meisten und stärksten Einheiten wahrscheinlich den Zuschlag erhält.

Andere politische Karten stellen Militäraktionen dar. Hier wird die militärische Macht der Beteiligten direkt verglichen und der Unterlegene muss dem Sieger einen Teil seines bescheidenen Besitzes abtreten. Das wird dadurch ausgeglichen, dass diese Aktionen eben eine Karte benötigen, Militäraktionen kosten (häufig mehrere) und man nur Einheiten nutzen kann, die zu Beginn der Runde schon vorhanden waren.

Auch wenn „Im Wandel der Zeiten“ auf den ersten Blick wie ein Mehrspielersolitär wirkt sollte man sich nicht täuschen lassen: Die politischen Aktionen der anderen Spieler können einen schwerwiegenden Einfluss auf die eigene Spielweise haben.

Historische Anführer

Neben neuen Landwirtschaftstechnologien, wissenschaftlichen Fortschritten und Militär kann man auch Weltwunder bauen, was mehrere Runden in Anspruch nimmt, und eine Persönlichkeit als prägenden Anführer des Zeitalters einsetzen. Wunder und Anführer geben regeltechnische Vorteile, die zumeist auf einen bestimmten Spielstil ausgelegt sind. Jeanne d’Arc ist ideal, wenn wir eine militärische Strategie verfolgen, während Michelangelo eher Wissenschaft und Kultur fördert. Natürlich müssen diese Karten auch erst einmal verfügbar werden.

Um zivile Karten zu kaufen geben wir Zivilaktionen aus. Die Anzahl unserer Zivil- und Militäraktionen sind durch unsere Staatsform und Bonuskarten festgelegt. Die gekauften Karten landen aber zunächst auf unserer Hand und müssen beim Ausspielen mit Ressourcen oder Forschung bezahlt werden. Wir bauen jedoch keine Schwertkämpfer, sondern erst einmal nur das Wissen, wie man welche ausbildet. Sobald wir Rohstoffe bezahlen, um auch gelbe Steine darauf abzulegen, haben wir tatsächlich Soldaten aufgestellt.

Manche Karten sind zunächst teuer und kosten zwei oder gar drei Aktionen, aber mit der Zeit rutschen sie die Leiste entlang und werden günstiger. Ist der Stapel aufgebraucht, endet das Zeitalter und das nächste bricht an. Nach Ende des dritten Zeitalters endet das Spiel und die Zivilisation mit den meisten Kulturpunkten gewinnt.

Fazit zu Im Wandel der Zeiten

Das Spiel ist komplex und vielschichtig – und es dauert. Ist die Gruppe eingespielt braucht man nicht lange für einen Zug und bis man mit dem Verwalten uns Auswerten des Zuges fertig ist, kann es sein, dass man schon wieder an der Reihe ist. Bei langsameren Spielern ist die Downtime allerdings beachtlich. So kann die Spieldauer durchaus auch mal sechs Stunden erreichen, besonders, wenn man noch nicht regelfest ist und die eine oder andere Situation für Unklarheiten sorgt, die in der umfangreichen Anleitung nachgeschlagen werden müssen.

Anders als in vielen vergleichbaren Spielen bleibt alles abstrakt. Es gibt keine Weltkarte und keine Position von Einheiten. Das hilft, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und schaltet die oft umständliche Logistik der Bewegung aus, erschwert aber auch die Greifbarkeit seiner Aktionen. Es sieht auch nicht so imposant aus wie „Civilization“ oder „Twilight Imperium“: Eine Handvoll Punkteleisten und einige ausgelegte Karten, das war es beinahe schon. Dennoch macht es Spaß! Allerdings sollte man schon für Optimierungsspiele etwas übrig haben und sich auf komplexe Zusammenhänge einstellen können. Dafür ist es ungeheuer befriedigend, zu sehen, wie die Effizienz der eigenen Staatsmaschinerie steigt und negative Ereignisse an einem einfach abprallen, wenn man es ordentlich hinbekommen hat.

Das Spiel ist nicht umsonst auf Platz 3 der beliebtesten Spiele bei Boardgamegeek.com. Die gut durchdachten Mechaniken, die zunächst simpel erscheinen, aber durch die zahlreichen Zivilkarten viel Variation erlauben, fesseln auch eingefleischte Aufbauspieler. Manche mögen sagen, dass „Im Wandel der Zeiten“ das ist, was „Civilization“ hätte werden sollen. Parallelen sind klar zu erkennen und die starke Abstrahierung hat dem Spiel auf keinen Fall geschadet. Zugreifen!

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