Quizshow neben der Spur – Genial Daneben [Rezension]

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Auf dem privaten Fernsehsender sat1 lief von 2003 bis 2011 die beliebte Frage- und Diskussionsshow „Genial Daneben“. Seit 2017 ist die Sendung in einer abgewandelten Form wieder auf den Fernsehern der Nation zu sehen. Für Daheim gibt es das gleichnamige Brettspiel Genial Daneben. Die irren Fragen am heimischen Brettspieltisch selbst beantworten, miteinander diskutieren und den Spielleiter in den Wahnsinn treiben? Klingt super! Oder?

 

Datenblatt zum Brettspiel Genial Daneben

Verlag: Clementoni
Anzahl Spieler: 2 – 4 Spieler
Empfohlenes Alter: ab 12 Jahren
Herausforderungen: Diskutieren, Überzeugen, auf falsche Fährten locken, Wissen und Raten
Vergleichbar mit:

 

Der Spielaufbau von Genial Daneben

Genial Daneben wird aufgebaut, indem das sperrige Brett mit 4 x 48 Punktefeldern für jeden Spieler auf dem Tisch ausgebreitet wird. Jeder Spieler hat ein Viertel des Bretts für sich, worauf die Spielfiguren für gewonnene Punkte entsprechend Felder nach vorn ziehen. Als Fan von beispielsweise Carcassonne frage ich mich hier sofort: Wieso hat jeder eigene Felder? Warum gibt es nicht größer skalierte Felder, auf der notfalls mehrere Figuren Platz haben? Das Design hätte wirklich besser sein können. Auch durch Spiele wie Wizard oder Scrabble haben wir schon längst gelernt, dass mitgelieferte Blöcke und Punktnotizen oft ausreichen.

Jeder Spieler erhält Antwortplättchen für die Antworten a, b und c. Dazu stellt man seine Figur auf das erste Punktefeld. Die Karten werden gemischt und anschließend verdeckt an die Spieler verteilt.

Je nach dem, wie viele Spieler mitspielen, gibt es pro Person unterschiedlich viele Karten:

Zwei Spieler 9 Fragekarten pro Person
Drei Spieler 6 Karten pro Person
Vier Spieler 5 Karten pro Person

 

Wie Genial Daneben gespielt wird

Wer am Zug ist, liest eine seiner Karten vor. Dabei soll man die Frage und alle drei ausführlichen Antwortmöglichkeiten vorlesen. Die andren Spieler sollen nun überlegen, wie sie antworten. Für jede falsche Antwort bekommt derjenige, der die Frage gestellt hat, zehn Punkte. Wer richtig antwortet, bekommt selbst zehn Punkte.

An dieser Stelle kommt ein bisschen des Genial Daneben Flairs durch: Wenn ein Mitspieler weiß, welche die richtige Antwort ist, kann er intelligent diskutieren und für eine andere Antwort plädieren, um die anderen auf die falsche Fährte zu locken.

Auch der Vorleser sollte sich eine Taktik einfallen lassen, um die anderen auf die falsche Spur zu bringen. Der Vorleser kann pro gefragter Karte bis zu 30 Punkte auf einen Schlag bekommen, wenn alle anderen Mitspieler falsch antworten.

Haben alle ihre Wahl getroffen, legen sie ihre Antworten verdeckt auf das Spielbrett. Gleichzeitig sollen alle ihre Antworten aufdecken, und dann werden die Punkte verteilt. 10 Punkte für jeden Spieler, der richtig geantwortet hat. 10 Punkte pro falscher Antwort für den Vorleser. Entsprechend zieht ihr eure Spielfiguren um die Anzahl Felder nach vorn. Gewonnen hat derjenige, der am Ende des Spiels (wenn alle 18 – 20 Karten der Spieler gefragt wurden) die meisten Punkte hat.

 

Die Fragen in Genial Daneben

Genial daneben lebt von den Fragen, die anders sind als etwa bei „Wer wird Millionär“ oder „Klugscheißer“. Das Brettspiel ist besonders, weil die Fragen nicht aus dem Bereich des Allgemeinwissens kommen, sondern weil sie auf den ersten Blick unbeantwortbar erscheinen. Sie sind diskutierbar und man braucht Kreativität und ein bisschen Mut, um auf die richtige Antwort zu kommen.

Die besonderen Fragen aus dem Brettspiel Genial Daneben sind beispielsweise:

Was bezeichnen „Bäcker-Beine“?

Was ist ein Anal-Gesicht?

Was fängt man mit einer Wasserfalle?

 

Antwortmöglichkeiten beispielsweise bei der Wasserfallen-Frage sind allesamt dermaßen abwegig, dass man ohne logisches Denken, raten und beratschlagen nicht vorankommt. Somit gibt es auf die Frage, was man mit einer Wasserfalle fängt, drei kuriose Antworten: Die Antwort A, die sich auf Fallbrücken von Burgfestungen bezieht. Antwort B handelt von der Sargassosee südlich der Bermudas. Antwort C bezieht sich auf eine seltene, frei schwimmende Wasserpflanze. Das Wissen, das die Spieler mit dem Brettspiel Genial daneben erlangen, ist nicht nur spezifisch und einprägsam, sondern auch in der Regel völlig unnütz. Genau so etwas finde ich super. Und spannend, selbst wenn man mit hoch gebildeten Personen spielt, die im Alltag gefühlt alles wissen.

Leider geben die vordefinierten Antworten dem gesamten Brettspiel einen Flair, der an der beliebten TV-Sendung „Genial Daneben“ vorbeischießt. Das Spiel wird schnell ermüdend, da die richtige Antwort meistens offensichtlich ist. Die Fragen sind super – die Antworten verderben den Spielspaß.

 

Unser Fazit zu Genial Daneben

Mich haben die vordefinierten Antworten genervt. Schon nach einer Runde in der Familie habe ich als Kind entschieden, dieses Brettspiel anders zu spielen. Leider machte da niemand aus der Familie mit, sodass ich die Karten stibitzt und mit zu Freunden genommen habe. Und siehe da: Das Brett dieses Brettspiels ist für mich ebenfalls eher eine einschränkende Last, und mich interessieren die Punkte nicht so sehr, ebenso wenig wie farbige Antwortplättchen, durch die man seine Antwort mitteilt.

Einerseits sind die Antwortmöglichkeiten perfekt für unkreativere Spieler, die sich keine eigenen Antworten zusammenreimen und eigene Theorien probieren wollen. Doch wenn die Spieler nicht kreativ und schlagfertig sind, ist Genial Daneben schlichtweg nicht das richtige Spiel für die Runde.

So richtig Spaß macht Genial Daneben, wenn man die Antwortmöglichkeiten und ggfs auch das Brett außer acht lässt und nur mit den Karten stellt. Es macht großen Spaß, die Sendung nachzustellen, indem man nur die Fragen auf den Karten verwendet.

Eine weitere alternative Spielmöglichkeit wäre die des Lexikon-Spiels: Man könnte verschiedene Antworten aufschreiben und verteilen. Die Spieler sollen dann von ihrer Antwort überzeugen und schließlich stimmen alle ab, welche Antwort ihnen am plausibelsten erscheint. Wer am besten dummschwätzen kann, erhält Punkte. Wer trotz aller Ablenkung auf die richtige Antwort gekommen ist, erhält ebenfalls Punkte. Das ist mit den Karten aus Genial daneben leider nicht machbar, und man braucht Fleiß und Vorbereitung, um sich die Frage- und Antwortkarten selbst zurecht zu basteln.

Das alles lässt mich sagen: Die Macher vom Genial Daneben Brettspiel haben zu viel gewollt. Sie haben die begeisterten Quiz-Spieler unterschätzt und ihnen zu stramme Rahmen vorgegeben. Habt Mut, das Spiel zweckentfremdet zu spielen und gönnt euch den wahren Spaß! Improvisieren und diskutieren ist witzig.

 

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