Von Monstern und Verließen – Descent [Rezension]

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In Descent schlüpfen die Spieler in die Rollen von Helden, die die findsteren Pläne des Overlords vereiteln sollen. Es handelt sich bei Descent um ein modernes und spannedes Spiel für bis zu fünf Spieler. Der Dungeoncrawler „Descent“ geht in die zweite Edition. Wir testen die Neuauflage und die hinzugekommene Appfunktion.

Datenblatt zum Brettspiel Descent

Verlag: Heidelberger Spieleverlag
Anzahl Spieler: 2 – 5 Spieler
Empfohlenes Alter: ab 14 Jahren
Herausforderungen: Wagemut, Strategie, Teamwork, Würfelglück
Vergleichbar mit: Hero Quest

Was ein Abenteuer ausmacht – Der Boxinhalt

Während die erste Edition noch mit einem gefühlten Umzugskarton an Material daherkam ist die zweite Edition deutlich kompakter, überwältigt aber immer noch mit seiner Fülle an Spielmaterial:

  • 3 Regelhefte
  • 8 Heldenfiguren
  • 31 Monsterfiguren
  • 9 Spezialwürfel
  • 7 Plastikfüße für Türen
  • 8 Heldenbögen
  • 152 kleine und 84 große Kartenkategorien
  • 48 Spielplanteile
  • 157 sonstige Pappteile

Die Figuren nehmen hierbei den Großteil des Platzes ein. Hier sieht man am deutlichsten den Unterschied zur ersten Edition: Die Details sind für weichen Kunststoff bemerkenswert und laden den erfahrenen Sammler zum Bemalen ein. Die Pappteile sind wie bereits in der alten Ausführung schön dick und knicken nur unter Gewaltanwendung.

Das Spielprinzip

Die Spieler schlüpfen in die Rolle unerschrockener Helden, die losziehen, die finsteren Pläne des bösen Overlords zu vereiteln. Jeder Held setzt sich aus einem Heldenbogen zusammen, auf dem seine Grundeigenschaften stehen, sowie einer Charakterklasse, wobei jeder Held die Auswahl zwischen zwei Möglichkeiten hat. Ein Held mit Schwerpunkt Kampf könnte ein Ritter oder ein Barbar sein, was Auswirkungen auf die Startausrüstung und die zur Verfügung stehenden Fertigkeiten hat.

Descent kann wie die erste Edition als Team gegen den bösen Overlord gespielt werden. Dieser kontrolliert hierbei die Aktionen der Monster, verwaltet die Ereignisse im Spiel und sorgt dafür, dass das Abenteuer so verläuft, wie es die Szenarioregeln vorsehen. Dies ist immer auf einer Doppelseite im Kampagnenheft beschrieben, wo auch steht, wie das Spielbrett aus den Einzelteilen zusammengesetzt werden muss. Eine Partie besteht aus zwei Einzelspielen. Im ersten Spiel haben beide Seiten jeweils ein Missionsziel, das es zu erreichen gilt. Wer dies besser schafft, hat im zweiten Spiel einen mehr oder minder großen Vorteil. Zum Beispiel könnten die Helden im ersten Spiel versuchen, Gefangene zu befreien, während der Overlord versucht, diese mit seinen Monstern vom Spielplan zu entführen. Je mehr Gefangene der Overlord entführen kann, um so mehr Zombies hat er dann im zweiten Spiel zur Verfügung.

Die Seite, die das zweite Spiel für sich entscheidet, hat dann gewonnen. Im Kampagnenspiel bedeutet das den Gewinn eines mächtigen Artefaktes, das im weiteren Kampagnenverlauf genutzt werden kann.

Allerdings bietet die zweite Edition von Descent auch ein Spiel per App an, die die Rolle des Overlords übernimmt. In diesem Fall spielt sich Descent wie ein klassischer Dungeoncrawler: Alle Spieler erforschen das Spielbrett nach und nach und erleben gemeinsam ein Abenteuer. Alle Ereignisse werden hierbei von der App geleitet. Das Spiel ist hier deutlich weniger symmetrisch, da auf der Seite des Overlords kein Spieler „bei Laune gehalten“ werden muss.

Auf ins Abenteuer!

In seinem Spielzug hat jede Heldenfigur zwei Aktionen. Mit diesen kann sie sich bewegen, angreifen oder bestimmte Sonderaktionen verwenden, die seinem Helden zur Verfügung stehen oder auf dem Spielplan markiert sind. Sie könnte also sich bewegen und ein Monster angreifen, sich zweimal bewegen, zweimal angreifen, einen Hebel umlegen und danach angreifen oder jede andere denkbare Kombination an Aktionen ausführen. Gleiches gilt für Monster, wobei diese bestimmte Einschränkungen haben können. Zombies sind zum Beispiel langsam und können nicht zwei Bewegungen ausführen.

Bei einem Angriff, sei es mit dem Schwert, dem Bogen oder einem Zauber, nimmt man den Angriffswürfel und die entsprechenden Bonuswürfel zur Hand. Gewürfelte Herzen entsprechen angerichtetem Schaden, Zahlen geben die Reichweite des Schusses an und Blitze sind „Energie“, mit der Sonderfähigkeiten während des Angriffs aktiviert werden können.

Neu sind ebenfalls die Verteidigungswürfel statt eines festen Wertes. Hier versucht man, Schilde zu erwürfeln, die jeweils ein Herz des Angriffs neutralisieren. Jeder übriggebliebene Schadenspunkt verpasst dem Ziel einen Verletzungsmarker. Erreichen diese den Gesundheitswert, ist die Figur besiegt. Besiegte Monster werden aus dem Spiel entfernt, Helden können sich mit etwas Zeitverlust wieder aufrappeln. Jedoch bringt jeder niedergeschlagene Held den Overlord seinem Sieg bzw. die Heldengruppe der Niederlage etwas näher.

Was taugt das Spielen per App?

Die App besitzt eine Tutorialfunktion, mit der man nach und nach an das Spiel herangeführt wird. Allerdings ist es trotzdem ratsam, vorher das Regelheft gelesen zu haben, da nicht jedes Detail erklärt wird. Nach dem Tutorial fühlt man sich jedoch definitiv fit und hat das Spiel verstanden. Eine Ähnlichkeit des Appspiels mit „Villen des Wahnsinns“ ist nicht von der Hand zu weisen, denn dieses Spiel führte diese Spielweise überhaupt erst ein und funktioniert beinahe identisch.

Als Overlordspieler kann man sich leicht auf verlorenem Posten fühlen, wenn die vier Mitspieler sich beratschlagen, wie sie am besten gegen einen vorgehen können. Das Spielen per App macht diese teilweise undankbare Aufgabe unnötig, reduziert allerdings auch die mögliche Spielerzahl auf vier und verändert das Spielkonzept. Spaß macht es auf beide Arten. Leider lässt sich die Zusammenstellung einer Gruppe in der App nach dem ersten Spiel nicht mehr ändern, ohne neu anzufangen. So muss für jede Spielerkonstellation ein neuer Spielstand angelegt werden. Wünschenswert wäre es gewesen, wenn diese Funktion eine variable Zusammenstellung der aktiven Gruppe erlauben würde.

Fazit

Descent ist auch in der zweiten Edition definitiv ein empfehlenswertes Spiel, das zahlreiche Schwächen der ersten Edition ausmerzt und vieles besser macht. Was sich nicht geändert hat ist die lange Spieldauer: Neulinge sollten für das Tutorial vier Stunden einplanen und eine normale Partie mit regelfesten Spielern dürfte auch nicht kürzer sein. Auf der anderen Seite bedeutet dies, dass alleine die Grundbox für viele Stunden Unterhaltung liefert. Wem das dennoch nicht reicht, der kann auf eine mittlerweile zweistellige Anzahl an Erweiterungen zurückgreifen, die neue Abenteuer, Monster und Helden mitbringen.

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