Für Ruhm und Ehre – Crusader Kings The Boardgame [Kickstarter]

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Das Wichtigste in Kürze

Crusader Kings The Boardgame ist ein Brettspiel, das mit einer Kickstarstarter-Kampagne gestartet wurde. Das Spiel von Free League Publishing ist für bis zu fünf Spielerinnen und Spieler, kann aber auch allein gespielt werden. In diesem Artikel erkläre ich die Besonderheiten von Crusader Kings und sage dir, wie die Kampagne so lief.

Das Gröbste vorab:

  • Crusader Kings basiert auf einem Computerspiel
  • Die Aktionskarten sind der besondere Clou des Spiels
  • umgerechnet 445.000 Euro kamen für Crusader Kings zusammen

Das PC-Spiel Crusader Kings II (CKII) von Paradox Interactive ist unter mittelalteraffinen Strategen ein Dauerrenner. Der schiere Umfang des Spiels, in dem man seine Herrscherdynastie von einer kleinen Grafschaft bis zum Kaiserthron führen kann, findet nun seine Umsetzung als Brettspiel.

Datenblatt zum Kickstarter Crusader Kings The Boardgame

Verlag: Free League Publishing
Anzahl Spieler: 1-5 Spieler
Empfohlenes Alter: ab 10 Jahren
Herausforderungen: Planung, Aufbau, Diplomatie
Vergleichbar mit: Scythe, Der Eiserne Thron

Vom PC auf den Spieltisch

Die Portierung eines Computerspiels dieser Komplexität birgt immer die Gefahr in sich, dass der Spieler zum Verwalter degradiert wird und das Spiel in eine Bürokratieorgie abdriftet. CKII simuliert schließlich das gesamte mittelalterliche Europa, Nordafrika und Asien bis nach China, bis hinein in die kleinste Baronie. Etliche Adelshäuser werden mit allen ihren Mitgliedern über Generationen hinweg dargestellt. Während man zwar die Geschicke seiner ganzen Dynastie steuert, finden die einzelnen Ereignisse doch auf einer sehr persönlichen Ebene statt. Die Schicksale einzelner Personen spielen dabei ebenso eine Rolle wie die großen Machtgefüge.

Free League Publishing haben diese Gefahr erkannt und treten einen gehörigen Schritt zurück, um sich auf das große Ganze zu konzentrieren. Der Spielplan überrascht mit einem unerwartet kleinen Bereich Europas, von Spanien bis zum Heiligen Römischen Reich und von England bis nach Italien, mit Frankreich mittendrin.

Im Vergleich zum Computerspiel sind die einzelnen Ländereien auch sehr groß geraten, so dass die Karte schön übersichtlich bleibt. Das zeigt uns schon, dass man sich hier nicht um die Kleinigkeiten zu kümmern braucht. Doch hat das, was am Ende übrig bleibt, denn immer noch das fesselnde Spielerlebnis der Vorlage, oder ist es ein anonymes Strategiespiel ohne wirklichen Bezug zum Computerspiel, das nur durch das Artwork mit der Vorlage verbunden ist?

Das Spiel

Die Vorlage hat kein klar erkennbares Spielziel; der Spieler will die eigene Dynastie gedeihen sehen und ihre Macht auf der politischen und militärischen Bühne des Mittelalters ausbauen. Es ist ausdrücklich kein Kriegsstrategiespiel, und mit dieser Maxime wurde auch an dem Brettspiel gearbeitet. Am Ende geht es um Punkte, und diese gibt es für eine erfolgreiche Dynastie in allen Bereichen. Die Kontrolle der meisten Gebiete ist nur einer davon. Im Gegenteil liegt der Focus auf der eigenen Familie und dem Aufbau des eigenen Adelshauses.

Das Kampfsystem ist erfrischend simpel und wird wie alles andere auch über aus einem Beutel gezogene Plättchen abgehandelt. Entweder, man ist erfolgreich, oder man ist es nicht. Jede Aktion ist in wenigen Sekunden vollbracht und man erkennt sofort ohne Rechnerei ihren Ausgang.

Der Inhalt des Beutels wird durch die Mitglieder unserer Dynastie bestimmt. Heiratet zum Beispiel ein »grausamer« Charakter in unsere Familie ein, so kommt ein »grausam«-Plättchen in den Beutel. Diese Plättchen geben uns Vorteile bei bestimmten Aktionen – »grausam« zu sein kann etwa bei Eroberungen helfen, ist allerdings ein rotes Plättchen: Diese alleine reichen nicht für erfolgreiche Aktionen, sondern entfalten ihre positive Wirkung nur in Verbindung mit grünen Plättchen, die positive Attribute aufweisen.

Die Aktionskarten

Einen besonderen Clou hat man sich bei den Aktionskarten geleistet. Anders als bei solchen Spielen üblich gibt es lediglich Standardaktionen, die über diese Karten abgehandelt werden. Der Text darauf ist nur ein unerwünschter Nebeneffekt. So kann eine Karte, mit der man Steuern eintreiben kann, dem eigenen Regenten etwas Lebenszeit stehlen, da er schwer erkrankt. Eine Karte zum Ausheben von Armeen erlaubt es manchmal einem Rivalen, ein Mitglied seiner Familie zu verheiraten. Solche Karten kann man auch als diplomatische Argumente verwenden.

Die Kampagne

Free League Publishing ist der internationale Arm des in Schweden ansässigen Verlags Fria Ligan AB, der bereits einige Projekte auf Kickstarter verwirklicht hat. Hierbei handelte es sich bisher jedoch um Tabletoprollenspiele und Artbooks, allesamt mit einem ernsteren oder gar finsteren Charakter. Das düstere Mittelalter als erstes Brettspielthema fügt sich gut in diese Reihe ein und die ersten Bilder vermitteln bereits den Eindruck, dass die Lizenz zur Umsetzung an den Richtigen gegangen ist.

Ab umgerechnet 57 Euro bekam man als Unterstützer das Brettspiel, für 78 Euro gab es die Royal Edition mit den in den Stretch Goals freigeschalteten Bonusminiaturen. Abgesehen von der Stufe für Händler (fünf Exemplare zum Händlereinkaufspreis) war es das auch schon mit den möglichen Stufen gewesen. Insgesamt kamen 4.660.842 Schwedische Kronen (umgerechnet ca. 445.000 Euro) bei der Finanzierung zusammen, weshalb es nicht verwundert, dass jedes einzelne Stretch Goal auch erreicht wurde.

Da es sich nicht um ein Militärspiel im eigentlichen Sinne handelt sind die Miniaturen eher hübsche Marker als wirkliche Einheiten.

Fazit

Es scheint ganz so, als hätte Free League Publishing es geschafft, ein wahres Ungetüm von Computerspiel zu bändigen und Crusader Kings II nicht in ein Brettspiel zu pressen, sondern zu formen, das die Klippen der Unhandlichkeit gekonnt umschifft.

Die Präsentation auf Kickstarter lässt trotz der Simplizität des Spiels das Herz eines eingefleischten CKII-Spielers höher schlagen, denn die Optik stimmt vollkommen und man fühlt sich sofort daheim.

In einem Brettspiel kann man natürlich niemals all die kleinen Details unterbringen, die es beim Computerspiel zu entdecken gibt. Doch wir haben den Eindruck, dass genau an den richtigen Stellen vereinfacht wurde. Das Gleichgewicht zwischen großer Strategie und dem Hegen und Pflegen der Blutlinie scheint gelungen zu sein und wir erwarten mit viel Spannung die offizielle Veröffentlichung des fertigen Spiels.

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