Duell im Cyberspace – Android: Netrunner [Rezension]

0
20
Das Wichtigste in Kürze

In Android: Netrunner spielt der Konzernspieler gegen den Netrunner-Spieler. Jeder hat ein Deck von Karten und spielt dabei asymmetrisch gegeneinander. Der eine Spieler will seine bereits bestehende Macht weiter ausbreiten. Der andere Spieler ist der Hacker, der natürlich ganz andere Ziele hat.

  • Zwei Spieler ab 14 Jahren können Android: Netrunner spielen
  • Deckbau ist möglich, aber nicht zwingend erforderlich: Die Grundbox enthält fertige Decks, aber ihr könnt euch Karten anderer Fraktionen im Spiel erkaufen

Unter diesem Titel erst 2012 erschienen, hat Android: Netrunner eine Geschichte, die bis zum großen Trading Card Game Boom zurück geht. Bereits 1996 erschien es nur als »Netrunner« beim Genregiganten Wizards of the Coast und wurde von Kritikern hochgelobt.

Im Schatten des großen Bruder »Magic: The Gathering« konnte es allerdings nie so richtig Fuß fassen und wurde nach zwei Erweiterungssets, davon eines nur 52 Karten stark, eingestellt. Damals basierte das Spiel auf dem Universum des Rollenspiels »Cyberpunk«, zu dem die Softwareschmiede CD Project Red, das sich auch für die äußerst erfolgreiche Witcher-Trilogie verantwortlich zeichnet, ein Computerspiel angekündigt hat.

Datenblatt zum Kartenspiel Android: Netrunner

Verlag: Heidelberger Spieleverlag
Anzahl Spieler: 2 Spieler
Empfohlenes Alter: ab 14 Jahren
Herausforderungen: Planung, Kombination, Bluff
Vergleichbar mit: Dominion, Magic: The Gathering

Das Werkzeug eines Hackers: Inhalt

Die Spielbox von Android: Netrunner enthält eine Spielanleitung, 134 Karten für den Konzernspieler, 114 Karten für den Runnerspieler und jede Menge Marker. Konkret sind es 102 Marker verschiedener Ausführungen, auf deren Funktion ich im Folgenden noch eingehen werde. Außerdem gibt es vier Karten für Referenz und Spielzüge.

Der Phönix aus der Asche

Fantasy Flight Games nahmen sich des Spielkonzeptes an und veröffentlichten es anstatt als Sammelkartenspiel nun als »Living Card Game«, als »lebendiges Kartenspiel«. Im Klartext bedeutet das, dass man nie die Katze im Sack kauft. Sammelkartenspiele kauft man in Form sogenannter Booster Packungen, die je nach Spiel zumeist zwölf bis 15 Karten enthalten, wobei manche Karten seltener zu finden sind, als andere. Will man das komplette Set haben, muss man viel Geld investieren bis man die letzte Karte gefunden hat, oder man geht zu einem Reseller und bezahlt einen Premiumpreis.

Living Card Games hingegen versorgen den Spieler bei jeder neuen Erweiterung mit einem kompletten Satz der neuen Karten. Der zeit- und geldraubende Aspekt des Sammelns wird umgangen, ohne auf die große Auswahl an Karten und Strategien verzichten zu müssen. Jeder, der das Spiel besitzt, kann sich seinen Spielstapel, das sogenannte »Deck«, aus allen Karten nach Belieben zusammenbauen.

Mit High-Tech gegen den Megakonzern

»Android: Netrunner« ist asymmetrisch aufgebaut: Ein Spieler übernimmt die Führung eines Megakonzerns, der seine Macht auf der wirtschaftlichen und politischen Weltbühne ausbauen will. Der andere Spieler schlüpft in die Rolle eines Hackers, der genau das zu verhindern sucht, indem er die Pläne des Konzerns stiehlt und offenlegt.

Beide Rollen haben hierbei Variationsmöglichkeiten: Man hat die Auswahl zwischen vier Konzernen und drei Hackern, die alle unterschiedliche Schwerpunkte, Stärken und Schwächen haben. Die Wahl der jeweiligen Fraktion entscheidet auch, welche Karten man zur Auswahl hat.

Das Grundspiel stellt für jede der sieben möglichen Parteien ein eigenes Deck zur Verfügung, wobei sich die Konzerne und die Hacker jeweils eine Anzahl neutraler Karten teilen, die von jedem Vertreter der jeweiligen Seite benutzt werden können. Die rollenspezifischen Karten werden einfach mit den neutralen Karten gemischt um so das Deck des Spielers zu bilden. Man kann also leider nicht mehrere Spiele simultan spielen.

Mehr Speicherplatz!

Theoretisch kann man auch mit dem Grundspiel schon Deckbau betreiben, indem man Karten anderer Fraktionen mit einem Punktesystem in sein Deck »kauft«, doch kommt dieses System erst dann richtig zur Blüte, wenn man sich einige der vielen Erweiterungen zugelegt hat. Das Spiel ist aber auch mit den Basiskarten sehr gut spielbar.

Die Erweiterungen sind in sogenannten »Zyklen« zu je sechs Erweiterungen organisiert, die jeweils drei Exemplare von 20 neuen Karten beinhalten. Hier kommen nicht nur neue Deckkarten hinzu, sondern auch neue Projektleiter der Konzerne und neue Hacker, so dass ganz neue Deckkonzepte möglich werden.

Hacker gegen Weltkonzern

Das Spielkonzept selbst ist denkbar einfach. Jeder Spieler hat während seines Zuges vier Aktionen. Als Aktion kann man entweder einen Credit nehmen, eine Karte ziehen oder eine Karte ausspielen. Der Hacker kann zusätzlich hierzu noch einen »Run« ausführen, um die Server des Konzernspielers anzugreifen. Auf diesen lagern nämlich die saftigen Daten, die er abgreifen will! Aber auch die Hand des Konzernspielers, sein Deck und sein Ablagestapel zählen als Server und müssen geschützt werden. Dies geschieht mittels »Ice«, mehr oder weniger intelligenten Programmen, die dem Hacker den Zugriff verweigern. Der wiederum kann seine installierten Programme, »Icebreaker«, verwenden, um durch diese Abwehrmechanismen hindurchzubrechen. Welche er dazu braucht sieht er aber erst, wenn er es versucht. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, denn wenn er zu lange braucht, um sich auf alle Eventualitäten vorzubereiten, zieht der Konzern seine Pläne durch und gewinnt das Spiel.

Doch der Konzern ist keinesfalls in einer rein passiven Rolle. Schafft er es, dem Hacker einen »Tag« zu verpassen, also einen Hinweis auf seine reale Identität zu bekommen, kann er auch außerhalb des Cyberspace gegen ihn vorgehen. Jeder Schadenspunkt zwingt den Hacker, eine Karte abzuwerfen. Kann er dies nicht, hat er das Spiel verloren. Gelingt es ihm hingegen, eine festgelegte Anzahl an Agendas zu stehlen, gewinnt der Hacker.

Fazit

Das Spiel ist immer noch so gut wie damals und jede einzelne Änderung gegenüber der Urversion hat seine Daseinsberechtigung. Die weit über 1000 Karten sorgen für weitreichende Möglichkeiten, sich ein persönliches Deck zusammenzubauen und verschiedene Strategien auszuprobieren. Die einzelnen Archetypen der Hacker und Konzerne spielen sich trotz gleicher Grundregeln vollkommen verschieden. Android: Netrunner ist ein Paradebeispiel dafür, wie man ein Living Card Game aufbaut und dass es durchaus Alternativen zu teuren Sammelkartenspielen gibt.

Die Regeln sind, wie es sich für Deckbauspiele gehört, ein wenig komplex, aber nach einem oder zwei Testspielen sollte man die meisten Unklarheiten beseitigt haben. Gerade, dass die Grundbox mehrere fertig spielbare Decks bereithält, macht den Einstieg leicht und dennoch variabel genug, um lange Spaß mit Android: Netrunner zu haben.

Heidelberger 1401AUG12 - Android Netrunner - Das Kartenspiel - LCG Starterbox
  • Sprache Spielanleitung: Dt.
  • Spieldauer: ca. 50 Min
  • Autor: Richard Garfield
  • Das beliebte TCG von Richard Garfield jetzt im LCG Format.
  • Spielzeug

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here